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Open Access: Forschungsdaten sollen leichter zugänglich werden

Für die Karriere von Forschern zählt die Veröffentlichung über alles, für die Leser als Adressaten der Veröffentlichung ist die Mitteilung der Ergebnisse allerdings oftmals nur die halbe Miete. Anhand der zusammenfassenden Beschreibung sind Experimente nicht mehr ohne weiteres nachvollziehbar. Je mehr heute die Messdatenerfassung und -auswertung auf eigener, speziell entwickelter Software beruht, desto schwieriger wird es für andere Forscher, die Resultate zu reproduzieren und damit weiter zu arbeiten.

Das Verhältnis zwischen Daten und Veröffentlichungen hat sich verschoben, meint der Münchner Astrophysiker Wolfgang Voges. "Es wird immer wichtiger, nicht nur die endgültigen, verdichteten Ergebnisse verfügbar zu machen, sondern auch die Rohdaten, detaillierten Methoden und den vollständigen Output", erklärte er heute auf der Open Access Konferenz Berlin 4. "Gute Wissenschaft beruht auf der Reproduzierbarkeit", erklärte Voges und forderte, "keine Veröffentlichung, wenn nicht auch die Daten zugänglich sind."

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In einigen Bereichen wie der Astrophysik entspricht es bereits geübter Praxis, dass Messreihen, Bilder und Software bereits kurz nach der Erfassung und Verarbeitung der Rohdaten öffentlich zugänglich gemacht werden; anderen Disziplinen steht eine solche Öffnung noch bevor, nicht zuletzt, weil sich so Irrtümer oder – schlimmer noch – frisierte Darstellungen schneller aufdecken lassen. Zurzeit erhitzt zum Beispiel wieder einmal der Fall des Kernphysikers Rusi Taleyarkhan von der Purdue University die Gemüter, der in Laborexperimenten durch Sonolumineszenz initiierte Fusionsreaktionen ("Bubble Fusion") beobachtet haben will und darüber in der angesehenen Fachzeitschrift Science veröffentlicht hatte. Die Ergebnisse waren von einem angeblich unabhängigen Team an der Purdue University reproduziert worden; Forschern andernorts gelang dies jedoch nicht, sodass nun verlangt wird, dass Taleyarkan die vollständigen Labordaten herausrückt.

Der Wellcome Trust in Großbritannien, mit einem Finanzvolumen von 480 Millionen Pfund im Jahr weltweit eine der größten privaten Stiftungen zur Förderung biomedizinischer Forschung, entwickelt derzeit Richtlinien für den Zugang zu den Primärdaten in den von der Stiftung geförderten Projekten. Schon seit Oktober vergangenen Jahres verlangt der Trust von den Wissenschaftlern, dass sie die aus den Projekten hervorgehenden Publikationen binnen sechs Monaten nach Erscheinen auf dem frei zugänglichen Server PubMed Central hinterlegen. "Open Access umfasst auch die Forschungsdaten , erklärte Robert Terry vom Wellcome Trust heute. "Es entspricht guter Forschungspraxis, sich vor dem Start eines Projektes Gedanken über die weitere Verwendung der anfallenden Daten zu machen".

Auf der politischen Ebene beschäftigt sich gegenwärtig auch die OECD, das wirtschaftspolitische Koordinierungsgremium der 30 führenden Industriestaaten, mit der Freizügigkeit des Austauschs von Forschungsergebnissen. Dem 'Klub der Reichen', wie die OECD oft genannt wird, geht es allerdings weniger um den freien und kostenlosen Zugang zu den elektronischen Veröffentlichungen, sondern vielmehr um die Vereinheitlichung zwischenstaatlicher Regeln für den Datenaustausch zwischen Forschungseinrichtungen. In erster Linie geht es also die Konditionen zur Überlassung und Weiternutzung der Daten etwa aus epidemiologischen Studien und statistischen Erhebungen, der Genomsequenzierung oder von Satellitenmissionen. Im Januar 2004 hatte der Ministerrat im Committee for Scientific and Technological Policy (CSTP) der OECD in einer Deklaration den Zugang zu solchen faktischen Primärinformationen aus dem öffentlichen Forschungssektor grundsätzlich befürwortet; zurzeit werden die Details einer "Empfehlung zu Prinzipien und Regeln" nach Darstellung der CSTP-Vorsitzenden Yukiku Fukasaku ausgearbeitet; sie sollen im Oktober veröffentlicht und noch in diesem Jahr vom Rat der OECD verabschiedet werden. (Richard Sietmann) / (Richard Sietmann) / (jk)

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