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Open Access: Neuer Ansatz für Fachpublikationen

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Ein französisches Forschungszentrum will die Zusammenstellung von Fachzeitschriften mit "Open Access"-Artikeln des arXiv-Servers deutlich vereinfachen und so Wissenschaftsverlagen stärkere Konkurrenz machen. Üblicherweise werden kostenfreie Online-Magazine gesondert formatiert. Bei der geplanten Variante solle das wissenschaftliche Magazin dagegen aus einer reinen Verzeichnisstruktur in Form eines klickbaren Inhaltsverzeichnis bestehen, erläuterte Tim Gowers, Mathematiker an der Universität Cambridge, das Vorhaben in einem Blogeintrag.

Die Idee einer Online-Zeitschrift, die nur aus Links besteht, beschränkt die Arbeit der Herausgeber auf die Auswahl von Artikel. Schon heute übernähmen die Akademiker für Veröffentlichungen in traditionellen Fachzeitschriften wichtige Teile des Publikationsprozesses wie das Editieren oder das Prüfen von Artikeln, führt Gowers aus. Um Kosten zu sparen, solle bei der neuen Initiative etwa darauf verzichtet werden, Texte auf Zeile oder in ein gleichmäßiges Layout zu bringen. Diskutiert werde, jeden ausgewählten Artikel über den reinen Link zum Textarchiv auch mit einer gesonderten Webseite für namentliche Kommentare oder Rezensionen zu versehen. Der Brite selbst will mit einer Zeitschrift zur Kombinatorik loslegen.

Das "Episciences" getaufte Projekt wird laut Gowers, der in der Open-Access-Szene kein Unbekannter ist und etwa mit einem Boykottaufruf gegen den Fachverlag Elsevier im vergangenen Jahr für Aufsehen sorgte, vom französischen Centre pour la Communication Scientifique Directe (CCSD) in Kooperation mit dem Mathematikinstitut der Universität Grenoble vorangetrieben. Das Content-Managementsystem für die "Epizeitschriften" soll so angelegt sein, dass einzelne Texte sehr einfach zu virtuellen Sammlungen zusammengeführt werden könnten. Jean-Pierre Demailly von der Universität Grenoble bestätigte gegenüber Nature, dass der Vorstoß von der französischen Regierung finanziell unterstützt werde und es voraussichtlich im April losgehen solle.

Der arXiv-Server hat sich seit 1991 zu einer umfassenden Open-Access-Plattform entwickelt. Er wird mittlerweile von der Bibliothek der Cornell University in den USA betrieben und gilt als eine der wichtigsten Recherchequellen im mathematisch-physikalischen Sektor. Die jährlichen Betriebskosten liegen bei 826.000 US-Dollar, allein im vergangenen Jahr stellten Forscher 84.603 neue Texte ein. (vbr)