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Open Access: Wissenschaftsorganisationen wehren sich gegen "inakzeptable Unterstellung"

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Die "Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen", der unter anderem die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Max-Planck-Gesellschaft (MPG), die Leibniz-Gemeinschaft (WGL) und der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) angehören, hat die von Schriftstellern und Verlagen vorgebrachte Kritik an ihren Open-Access-Bestrebungen scharf zurückgewiesen. In einem Anfang der Woche veröffentlichten "Heidelberger Appell für Publikationsfreiheit und die Wahrung der Urheberrechte" hatten Autoren und Verlage gefordert, dass das "für Literatur, Kunst und Wissenschaft fundamentale Urheberrecht" künftig stärker geschützt werden müsse – wobei sich die Kritik insbesondere an Internet-Plattformen wie Google Books und YouTube richtete, wo nach Ansicht der Unterzeichner urheberrechtlich geschützte Werke und geistiges Eigentum "in ungeahntem Umfang und ohne strafrechtliche Konsequenzen" illegal veröffentlicht werden.

Der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen warfen die Verfasser aber im gleichen Atemzug vor, sie propagiere in Deutschland "weitreichende Eingriffe in die Presse- und Publikationsfreiheit, deren Folgen grundgesetzwidrig wären". Konkret geht es hier um die Initiative "Digitale Information", in deren Rahmen die Spitzenorganisationen der Wissenschaft ihre Aktivitäten im Bereich der wissenschaftlichen Informationssysteme bis zum Jahr 2012 besser koordinieren und ausbauen wollen. Die "Allianz" macht sich dabei unter anderem für den Open-Access-Gedanken stark, der das Ziel verfolgt, "das weltweite Wissen in digitaler Form ohne finanzielle, technische oder rechtliche Barrieren zugänglich zu machen". So soll etwa das bisherige wissenschaftliche Publikationswesen teilweise auf entgeltfrei nutzbare Open-Access-Zeitschriften umgestellt werden.

Während die Allianz der Wissenschaftsorganisationen argumentiert, dies gelte ausschließlich für Forschungsergebnisse, die durch den Einsatz öffentlicher Mittel und damit zum Nutzen der Forschung und Gesellschaft insgesamt erarbeitet wurden, sehen die Unterzeichner des Heidelberger Appells darin eine "Untergrabung des Grundrechts der Freiheit von Forschung und Lehre", die nicht hingenommen werden könne. Es müsse auch künftig "der Entscheidung von Schriftstellern, Künstlern, Wissenschaftlern, kurz: allen Kreativen freigestellt bleiben, ob und wo ihre Werke veröffentlicht werden sollen". Jeder Zwang, jede Nötigung zur Publikation in einer bestimmten Form sei "ebenso inakzeptabel wie die politische Toleranz gegenüber Raubkopien", wie sie Google derzeit massenhaft herstelle.

In ihrer Stellungnahme (PDF-Datei) "Open Access und Urheberrecht: Kein Eingriff in die Publikationsfreiheit" wehrt sich die Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen nun gegen die "inakzeptable Unterstellung", sie wolle "die Freiheit zur Veröffentlichung in grundgesetzwidriger Weise beschneiden". Keinesfalls, heißt es, fordere die Allianz eine Open-Access-Publikation belletristischer Schriften, aus deren Verwertung Autoren ihren Lebensunterhalt beziehen. "Dies zu suggerieren, ist irreführend." Auch die bei den Wissenschaftsorganisationen beschäftigten oder von ihnen geförderten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler seien frei in der Wahl ihrer primären Publikationsformen. Allerdings werde erwartet, "dass die Autoren der Gesellschaft, die ihre Forschung durch Steuermittel möglich macht, einen einfachen Zugang zu ihren Publikationen eröffnen, der zudem die öffentliche Hand möglichst wenig finanziell belastet".

Wo dies primär nicht durch die Veröffentlichung in einem Open-Access-Medium geschehen könne, sollten die Autoren ihre Publikationen über sogenannte Open-Access-Repositorien (Publikationsserver) verfügbar machen, wo immer dies rechtlich möglich sei, heißt es weiter. Der Großteil gerade der international agierenden Verlage gestatte dies schon heute. Die Allianz weist auch darauf hin, dass die Umstellung des wissenschaftlichen Publikationswesens mit einer "Umschichtung von Mitteln" einhergehe, die neue "Open-Access-kompatible Geschäftsmodelle" ermöglichen würden. Diese Angebote würden bereits von Verlagen aufgegriffen. Open Access sei dabei für viele "ein funktionierendes Geschäftsmodell". Alle Richtlinien, mit denen Wissenschaftler in Deutschland oder in anderen Staaten zu Open-Access-kompatiblem Publizieren aufgefordert werden, "verknüpfen das Open-Access-Publizieren mit dem geltenden Urheberrecht", resümieren die Allianz-Mitglieder. (pmz)