Menü

Open Content Alliance erhält Unterstützung von wichtigen US-Bibliotheken

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 8 Beiträge

Wichtige US-Bibliotheken wie die der Smithsonian Institution oder das Boston Library Consortium (BLC) wollen ihre Bestände nicht von Konzernen Google oder Microsoft digitalisieren lassen, sondern in offenerer Form online verfügbar machen. Sie setzen dabei auf die Open Content Alliance (OCA), die den Bibliotheken keine Restriktionen etwa bei der Durchsuchbarkeit der eingescannten Bücher auferlegt. Vielmehr besteht mit der OCA die Möglichkeit, die Inhalte jedem Interessierten im Rahmen einer Wissensallmende ("Public Domain") frei zugänglich zu machen. Dabei sind aber eventuell noch bestehende Copyright-Auflagen zu beachten. Um den offenen Weg zu beschreiten, sind die dem OCA angeschlossenen Institutionen bereit, einen Kostenzuschuss für das Einscannen aus eigenen Mitteln zu zahlen. Der Zusammenschluss zur Förderung freier Inhalte verlangt dafür momentan 10 Cent pro Seite.

"Wir erkennen den kommerziellen Wert bei dem, was Google macht", erläuterte Bernard Margolis, Präsident der Boston Public Library, die Beweggründe für den Anschluss an die OCA gegenüber der New York Times. "Aber wir wollen Materialien in einer Art verbreiten, von der jeder profitiert." Das von ihm geführte Haus zählt zu seiner Kollektion rund 3700 Bände aus der persönlichen Bibliothek John Adams', des zweiten Präsidenten der Vereinigten Staaten. Dem BLC gehören ansonsten 18 weitere wissenschaftliche Bibliotheken an. Darunter sind die der University of Connecticut und der University of Massachusetts. Insgesamt sollen mit Hilfe der OCA für 845.000 US-Dollar 34 Millionen Bücher eingescannt werden, bei denen das Copyright bereits ausgelaufen ist. Auch die Kongressbibliothek, die Library of Congress, die zusammen mit der UNESCO Partner bei dem von Google mit finanzierten Projekt World Digital Library ist, will mit Unterstützung der "Alfred P. Sloan"-Stiftung 136.000 Bände über die offene Allianz verfügbar machen.

Gründer der Open Content Alliance ist der Netzguru Brewster Kahle, der auch das Internet Archive ins Leben gerufen hat. Ziel des Unternehmers aus San Francisco ist es, das gesamte menschliche Wissen online verfügbar zu machen. Anders als das Suchimperium Google, das ähnliche Bestrebungen hat, setzt Kahle dabei aber auf mehr Offenheit. Insgesamt haben sich bereits rund 80 Bibliotheken und Forschungseinrichtung seinem Vorstoß angeschlossen. Googles Initiative findet Kahle im Prinzip auch begrüßenswert: "Das Einscannen der großen Bibliotheken ist eine wundervolle Idee." Weniger gefällt ihm daran, "wenn nur ein Unternehmen den Zugang zu dieser digitalen Sammlung kontrolliert". Damit würde zuviel Macht in den Händen einer privaten Einheit liegen.

Der Ansatz der OCA ist laut Kahle völlig verschieden. "Wir kommen aus einem Gemeinschaftsprojekt von der Basis her und wollen Sammlungen aufbauen, die von jedem in unterschiedlichen Formen genutzt werden können." Der Fokus liege dabei auf Werken ohne Urheberrechte und Copyright, die in den USA in der Regel also vor 1922 veröffentlicht worden sein müssen. Google oder Microsoft scannen dagegen auch geschützte Bücher ein, machen diese aber nicht komplett verfügbar. Vielmehr geht es beiden Firmen vor allem auch darum, ihre Suchmaschinen mit zuvor nur offline vorhandenen Inhalten anzureichern. Die Kosten für die Digitalisierung übernehmen die Konzerne bei ihren Programmen. Dafür beklagen sich Bibliothekare wie Tom Garnett von der Biodiversity Heritage Library aber über restriktive Bedingungen. Google etwa verlange, dass andere kommerzielle Suchmaschinen nicht auf die gescannten Bücher zugreifen können.

Die Redmonder zählen wie Yahoo zu den Unterstützern der Open Content Alliance. Allerdings sind die Interessen dabei nicht deckungsgleich, sodass beide Unternehmen auch ihre eigenen Scan-Projekte am Start haben. Ein Jahr nach dem Anschluss an die OCA stellte etwa auch Microsoft die Bedingung auf, dass ein von den Redmondern digitalisiertes Buch nur in die eigene "Windows Live"-Suche einfließen darf. Der Leiter des "Live Book Search"-Projekts bei dem Softwareriesen, Jay Girotto, legt aber Wert darauf, dass es anders als bei Google keine Einschränkungen bei der Verbreitung der Kopien für akademische Zwecke zwischen einzelnen Instituten gebe. Man arbeite unter anderem mit der University of California und der New York Public Library zusammen. (Stefan Krempl) / (jk)

Anzeige
Anzeige