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Open Corporates: Millionen deutsche Unternehmensdaten durchsuchbar gemacht

Ein Transparenzportal hat Millionen Datensätze zu deutschen Unternehmen leicht durchsuchbar online gestellt. Das soll im Kampf gegen Kriminalität helfen.

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Open Corporates: Millionen deutsche Unternehmensdaten durchsuchbar gemacht

(Bild: HendoBe)

Auf dem britischen Transparenz-Onlineportal Open Corporates sind mehrere Millionen Einträge aus dem deutschen Handelsregister veröffentlicht worden. In den Daten finden sich die Anschriften und die Namen von viereinhalb Millionen Geschäftsführern, berichtet der NDR, der vorab Einblick erhalten hat.

Die Daten waren zwar auch bislang schon einsehbar, konnten im Handelsregister aber kaum sinnvoll durchsucht werden – so können dort etwa immer nur Firmennamen abgefragt werden, nicht aber gezielt die von Personen. Außerdem kosteten die Recherchen Geld.

Schon bei ersten Analysen der umfangreichen Daten seien Fälle von eingetragenen Personen aufgefallen, die angeblich vor 950 Jahren geboren wurden, schreibt Open Corporates. Die NDR-Journalisten haben ihrem Bericht zufolge bislang unbekannte Firmenverbindungen entdeckt, "die eine Rolle in einem Mafiaverfahren spielen könnte", das derzeit in Mannheim läuft.

Aufgefallen seien auch Immobilienfirmen, die von russischen Investoren kontrolliert würden, die in Verbindung mit den sogenannten Panama Papers in den Fokus geraten waren. Auch Hinweise auf tausende Briefkastenfirmen seien bereits entdeckt worden. Für Journalisten könnte diese Freigabe der Daten eine enorme Hilfe darstellen.

Open Corporates hat die Daten nach eigenen Angaben aus den Handelsregisterbekanntmachungen und dem Handelsregister extrahiert. Dafür sei monatelange Programmierarbeit nötig gewesen. Die Macher kritisieren, dass Kriminelle durch die bislang gängige Praxis vor Kontrolle geschützt waren. Die Bundesrepublik sei bislang nicht entschieden genug gegen Finanzverbrechen vorgegangen. Solch ein öffentliches Register sei grundlegend dafür, dass Deutschland kein sicherer Hafen mehr sei "für Gangster, Menschenhändler und Terroristen". Dem Bundesjustizministerium wolle man über die gefunden Probleme der Datenqualität Bericht erstatten.

Tagesschau.de ergänzt, dass im Zuge der Aufarbeitung der Panama Papers eigentlich ein Transparenzregister eingeführt werden sollte, um Unternehmensdaten leicht durchsuchbar zu machen. Daraus sei aber nie etwas geworden, auch weil besonders ein Lobbyverband das verhindert habe.

Wie das Internetportal "Fragdenstaat" öffentlich machen konnte, habe besonders der Verband der Familienunternehmer dagegen gekämpft und seinen Willen bekommen. Die Entscheidung gegen die versprochene Transparenz sei dann wohl vom damaligen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble persönlich getroffen worden. (mho)