Menü

Open Library: Autorenverbände kritisieren Online-Ausleihe des Internet Archive

Das Internet Archive scannt Bücher ein und verleiht online die E-Books – ohne Zustimmung der Autoren oder Geld zu bezahlen. Die wehren sich nun.

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 57 Beiträge
Open Library: Autorenverbände kritisieren Online-Ausleihe des Internet Archive

(Bild: Proxima Studio/Shutterstock.com)

Autorenverbände aus den USA, Kanada und Großbritannien fordern das Internet Archive auf, das von den Rechteinhabern nicht erlaubte Ausleihen von E-Books in der Open Library zu unterbinden. Dazu haben die Authors Guild (USA) und die Society of Authors (Großbritannien) offene Briefe an das Internet Archive verfasst und Unterstützer darum gebeten, diese zu unterzeichnen. Auch die Writer's Union of Canada ruft dazu auf, diese zu unterzeichnen. Die Verantwortlichen protestieren gegen die eBook Lending Library, die Teil der Open Library des Archivs ist.

In der seit mehr als zehn Jahren existierenden Bibliothek bietet das Internet Archive inzwischen auch eingescannte Werke online zum Ausleihen. Dabei handelt es sich um Bücher, die die Betreiber des Internetportals oder teilnehmende Bibliotheken digitalisiert haben, erklären die Macher. Sind die Werke nicht gemeinfrei, können sie jeweils von genau einer Person kostenfrei ausgeliehen werden, nach zwei Wochen endet die dafür eingeräumte Frist, dann ist der oder die nächste dran. Jeder Nutzer darf gleichzeitig maximal fünf Bücher ausleihen.

Die Autorenverbände kritisieren, dass das Internet Archive für diese Digitalisierungen keine Genehmigungen bei den Rechteinhabern einholt. Stattdessen setzen die Macher auf eine Rechtsinterpretation namens "Controlled Digital Lending" (CDL), um die traditionelle Ausleihe ins digitale Zeitalter zu bringen. Aus eingescannten Büchern erstellte E-Books können demnach genau einmal verliehen werden, die Zustimmung der Rechteinhaber sei dafür nicht nötig und auch keine Bezahlung. Die sehen das naturgemäß anders und berufen sich auch auf ein aktuelles Gerichtsurteil zum Weiterverkauf von Musikdateien.

Prinzipiell erinnert das Vorgehen des Internet Archive an die Onleihe der deutschen Bibliotheken, jedoch gibt es gravierende Unterschiede: So werden Rechteinhaber beziehungsweise Autoren hierzulande über die sogenannte Bibliothekstantieme für Ausleihen vergütet und das System basiert auf deren Zustimmung. Beides leistet das Internet Archive nicht und digitalisiert auch nicht nur verwaiste Bücher, die anderweitig nicht mehr zu bekommen sind, sondern in einigen Fällen sogar wenige Jahre alte Werke. Die Autorenverbände verlangen nun, dass der Zugang zu den E-Books unterbunden oder deren Verleihung durch entsprechende Lizenzen angemessen vergütet wird. (mho)

Anzeige
Anzeige