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Open Roberta: Offene Roboterplattform soll Programmieren zum Kinderspiel machen

Die cloudbasierte grafische Umgebung "Open Roberta Lab" soll Einstiegshürden bei Schülern und Lehrern vorm Programmieren von Spielzeugrobotern absenken. Google unterstützt das Projekt mit einer Million Euro.

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Die neue Web-Plattform Open Roberta soll es jedem Kind in Deutschland ermöglichen, selbst einen selbstfahrenden Roboter zu programmieren. Die 700.000 Schüler, die dieses Jahr eingeschult wurden, sollten in fünf Jahren die Chance haben, "bei Roberta mitzumachen". Das erklärte Stefan Wrobel, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS), zur Eröffnung am Dienstag in Berlin.

Die Grundstufe des Projekts begann vor 14 Jahren mit einer ersten Studie und hat dank der Förderung der Bundesländer und einzelner Unternehmen wie Lego inzwischen ein großes Netzwerk aufgebaut. Mit Hilfe über 1000 speziell ausgebildeter Lehrer können rund 30.000 Schüler pro Jahr lernen, ein elektronisch steuerbares Gerät zu bauen und zu bedienen. Dies soll die Teilnehmer spielerisch mit der Informationstechnik in Berührung bringen.

Mit der neuen Open-Source-Programmierplattform will das IAIS die zweite Stufe zünden. Das "Open Roberta Lab" sei zwar "noch nicht ganz fertig", räumte Thorsten Leimbach, Betreuer des Projekts bei Fraunhofer, ein. Es sei aber bereits möglich, über die grafische Umgebung ganz einfach Kategorien einzelner Befehle auszuwählen und sie auf einen Roboter zu übertragen. So könne über die Cloud gemeinsam über Grenzen hinweg programmiert werden, beispielsweise auch von zuhause aus. Zudem könnten Routinen für Dritte freigegeben werden.

Die Plattform werde vom IAIS noch mindestens ein Jahr weiterentwickelt, versprach Leimbach. So sei etwa geplant, das derzeit auf Lego eingeschränkte System für andere Roboter-Bausteine und Programmiersprachen zu öffnen. Die eigens entwickelte Sprache Nepo ("Open" rückwärts) werde als Meta-Ebene auch für eine erweiterte Roboterprogrammierung dienen. Der gesamte, innerhalb eines Jahres geschaffene Quellcode stehe frei im Netz, sodass er auch auf einen lokalen Server geladen und im Klassenzimmer offline genutzt werden könne.

Open Roberta: Programmieren als Kinderspiel (4 Bilder)

Wieland Holfelder mit Schülern
(Bild: Google)

Google hat für Open Roberta eine Million Euro für zwei Jahre bereitgestellt. Google-Entwicklungschef Wieland Holfelder erläuterte, es gehe dem Unternehmen unter anderem darum, eine Open-Source-Entwicklergemeinde aufzubauen und gegebenenfalls international zu erweitern. Google fördere das Projekt im eigenen Interesse, da der Internetkonzern ständig mehr eigene Programmierer benötige. Aber je mehr IT-Grundwissen in der Gesellschaft vorhanden sei, desto aufgeklärter könnten auch netzpolitische Entscheidungen demokratisch getroffen werden.

Ein höheres Interesse an Technik führe auch zu mehr Gründern von IT-Startups, ergänzte René Tristan Lydiksen, geschäftsführender Direktor von Lego Education Europe. Wichtig sei es, dass Entwickeln Spaß macht, da das Gehirn dann schneller lerne. "Programmieren muss cool sein", befand Thomas Bendig von der Kooperationsinitiative "Start Coding". Kinder und Jugendliche müssten früh mit Slogans wie "Geek is the new sexy" vermittelt bekommen, dass Nerds Superstars wie Fußball-Nationalspieler seien.

Begeistert von der "Super-Initiative" zeigte sich die Internetbotschafterin der Bundesregierung, Gesche Joost. Großbritannien habe dieses Jahr den Umgang mit Computer als Pflichtfach an den Schulen eingeführt, während Deutschland beim Fördern von IT-Fachkräften noch hinterherhinke. An ihrer Hochschule, der Berliner Universität der Künste, versuche die Designprofessorin mit "interaktiven Voodoo-Puppen" und einer "Schrottküche" für alte Handys ebenfalls zu zeigen, dass es "keine Raketenwissenschaft" sei, etwas zusammenzubauen, was fahre und surre. (Stefan Krempl) / (anw)

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