Open Source: Bundeswehr baut eigene verschlüsselte Messenger-App

Die Bundeswehr will einen eigenen Messenger-Dienst bereitstellen, der auch für den Austausch geheim eingestufter Informationen geeignet sein soll.

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Bundeswehr-Soldaten bereiten sich auf einen Einsatz vor.

(Bild: Bundeswehr / Oliver Pieper)

Von
  • Stefan Krempl

Die Bundeswehr will auf dienstlichen Endgeräten eine für Sicherheitsanforderungen geeignete Messenger-Anwendung verfügbar machen. Dies ist einer heise online vorliegenden Antwort des parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesverteidigungsministerium, Peter Tauber (CDU) auf eine Anfrage der netzpolitischen Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Anke Domscheit-Berg, zu entnehmen. Der Krypto-Messenger soll demnach auch die Anforderungen für einen Austausch von Informationen erfüllen, die als Verschlusssache der vergleichsweise niedrigen Kategorie "Nur für den Dienstgebrauch" eingestuft sind.

Chat-App soll auch ressortübergreifend eingesetzt werden können, teilte Tauber mit. Das Verteidigungsministerium untersucht dazu die Open-Source-Software "Matrix" in einem Pilotprojekt "BwMessenger". Das offene Protokoll für Echtzeitkommunikation dient auch als Grundlage für den französischen Behörden-Messenger Tschap, der in allen über 30 Ministerien und Behörden auf nationaler Ebene mit rund 5,5 Millionen potenziellen Nutzern eingesetzt werden soll.

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte Mitte Dezember im Bundestagsausschuss Digitale Agenda erklärt, es solle ein "sicheres WhatsApp" für die Soldaten geben. Als Client setzt das Ressort laut Tauber wie in Frankreich auf die freie Software Riot für Android und Web-Browser, die eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung unterstützt und als Referenzimplementierung von Matrix für Einsteiger sowie als Alternative vor allem zu Slack gesehen wird. Auf Serverseite liefen Synapse und Sydent. Alle Bestandteile basierten auf der freien Apache License 2.0.

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Der BwMessenger solle zumindest von den Streitkräften "flächendeckend" verwendet werden. Das absehbare Entwicklungspotenzial reiche aber weit darüber hinaus. Ziel der Bundesregierung sei generell die sichere, alle Ministerien und nachgeordnete Behörden umfassende Nutzung von Messenger-Diensten.

Das Bundeskanzleramt erprobt derweil in einem anderen Pilotprojekt eine App auf Basis der Open-Source-Software Wire. Beide Testläufe begleitet das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Domscheit-Berg lobte gegenüber heise online insbesondere den Ansatz der Bundeswehr: "Das verwendete Protokoll unterstützt dezentrale Infrastruktur und moderne Verschlüsselungsalgorithmen." Außerdem verabschiede sich damit ein Teil der Bundes-IT von Dienstleistungsprodukten größerer Hersteller, "die Abhängigkeiten schaffen". Das Verteidigungsministerium gehe damit "einen Schritt in Richtung digitaler Souveränität".

Polizeibehörden in Niedersachsen und Hessen arbeiten bereits mit dem Messenger Stashcat von Heinekingmedia. Dieses Angebot soll aktuell mit dem Funkgeräte-Hersteller Hytera und dem Plattformanbieter Frequentis ausgebaut und auf mehr Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) erweitert werden. (anw)