Menü

Open Source im Bundestag als "strategischer Vorteil"

vorlesen Drucken Kommentare lesen 546 Beiträge

Auch wenn die IuK-Kommission ihre Empfehlung für den Ältestenrat des Bundestags erst am morgigen Donnerstag aussprechen wird, scheinen die Weichen für die Entscheidung zur zukünftigen Infrastruktur des Bundestags bereits gestellt zu sein. Wie schon am Wochenende bekannt wurde, sieht das favorisierte Konzept den Einsatz von Linux auf sämtlichen Servern zusammen mit Windows-XP-Clients an den Arbeitsplätzen vor.

SPD, Grüne und PDS seien mit dieser Aufgabenteilung einverstanden, erklärte Dr. Uwe Küster, Vorsitzender der IuK-Kommission, gegenüber heise online. Die CDU-Fraktion mache ihre Entscheidung noch von einem mündlichen Vortrag des Bundesrechnungshofs in der morgigen Sitzung abhängig. Der Rechnungshof hatte sich allerdings schon im vergangenen Jahr für Open Source ausgesprochen, sodass hier kaum noch mit einer Überraschung zu rechnen ist. Lediglich die FDP-Fraktion halte noch uneingeschränkt das Microsoft-Fähnchen in die Höhe, so Küster.

Die IuK-Kommission wird damit voraussichtlich die von der Berliner Unternehmensberatung Infora in einer Studie für den Bundestag am höchsten bewertete Lösung verwerfen, in der Linux nur als E-Mail- und Groupwareserver zum Zuge gekommen wäre. Stattdessen soll das freie Betriebssystem auch auf den Datei- und Druckservern laufen und den zentralen Verzeichnisdienst bereitstellen. In der Entscheidung für den Open-Source-Verzeichnisdienst OpenLDAP an Stelle des Microsoft'schen ActiveDirectory sieht Dr. Küster einen strategischen Vorteil, obwohl diese Lösung rund 80.000 Euro pro Jahr mehr als das von Infora favorisierte Konzept koste: Bei zukünftigen Software-Anschaffungen, etwa einer Groupware, sei man mit OpenLDAP bei der Auswahl nicht ausschließlich auf Microsoft-kompatible Produkte beschränkt. So könne sich der Mehraufwand schnell auszahlen; man bringe sich "mit ein bisschen mehr Geld in eine vorteilhafte strategische Position". (odi)