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OpenBSD-Chef de Raadt wettert weiter gegen Linux

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Nach seinem gestrigen Newsforge-Interview zusammen mit Christos Zoulas von NetBSD lässt es OpenBSD-Chef Theo de Raadt nun in einer Befragung des US-amerikanischen Wirtschaftsmagazin Forbes in gewohnter Manier krachen. Linux sei schrecklich, jeder benutze es und wisse dabei gar nicht, wie schlecht es eigentlich sei. Die Linux-Leute würden einfach daran festhalten und daran herumdoktern, anstatt Fehler beim Namen zu nennen und zu beheben. Die ungleich größere Popularität von Linux erklärt de Raadt mit dem Engagement von großen Hardwareherstellern wie HP und IBM, die, während sie früher für teures Geld Unix-Code im eigenen Hause entwickeln ließen, nun Linux-Hacker als unbezahlte Arbeitskräfte nutzten.

Das Team von de Raadt bestehe aus 60 Leuten, arbeite eng gekoppelt und fokussiert auf Grundlage eines bewährten, echten Unix und produziere besseren als den "auf die Schnelle zusammengeschusterten" Code der Linux-Bewegung. Die Codequalität seines Teams sei höher, sagte de Raadt, weil genau dies das Ziel sei. Bei Linux sei es nie um Qualität gegangen, das Ganze sei mit billigen Hacks auf bloßes Funktionieren ausgerichtet. Er wisse ja nicht genau, was Torvalds' Motivation sei, Qualität sei es jedenfalls nicht.

De Raadt bezeichnete das weltweit verteilte Entwicklungsmodell der Open-Source-Szene als die Wurzel allen Übels. Die Hierarchie besteht aus Tausenden von Programmierern, die den "Maintainern" der jeweiligen Bereiche Code zuliefern. Diese geben dann ausgewählte Teile an Linus Torvalds und einige andere Szenegrößen weiter. Außerdem schade der zunehmende Einfluss von Großunternehmen dem Projekt besonders im Fall von durchaus schon vorgekommenen Interessenskonflikten.

Große Unterschiede gebe es nach de Raadt sodann bei der Motivation: Während der Hass auf Microsoft einziger Antrieb vieler Linuxer zu sein scheine, geschehe alles bei OpenBSD aus reiner Liebe zu Unix. Linux und Windows würden sich trotz der lärmend zur Schau gestellten Abneigung gegen Microsoft in vielen Bereichen angleichen. So sei der Entwicklungszyklus viel zu kurz und führe zu Schrott, so de Raadt.

Zum Schluss bemerkte er verbittert, dass BSD das beliebteste Betriebssystem hätte werden können, wenn der langjährige Rechtsstreit zwischen der University of California at Berkeley als der Brutstätte von BSD und AT&T seinerzeit nicht gewesen wäre. Dies habe viele BSD-Entwickler in die Arme der Linux-Gemeinede getrieben, die auch dann nicht mehr zu BSD zurückgekehrt seien, als BSD in abgewandelter Form 1994 endlich legalisiert wurde. Darüber sei er sehr traurig, sagte de Raadt, schließlich sei Linux erst jetzt auf dem Stand, auf dem BSD schon vor zehn Jahren gewesen sei. (mhe)