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OpenBSD in Ungnade

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Kaum hat die DARPA (Defense Advances Research Projects Agency) dem OpenBSD-Projekt den jüngst geöffneten Geldhahn wieder zugedreht, schon wenden sich auch US-Vermittlungsinstanzen wie die University of Pennsylvania (UPenn) gegen das Open-Source-Entwicklerteam. Der wahrscheinlichste Anlass für den Umschwung liegt nach bisherigen Informationen in den kritischen Äußerungen des OpenBSD-Projektleiters Theo de Raadt über den US-Feldzug im Irak -- auch wenn die DARPA selbst von einer turnusgemäßen Überprüfung der Fördergelder und einer daraus resultierenden Entscheidung spricht.

Die DARPA-Gelder schürten nicht nur Hoffnungen auf vier Vollzeit-Entwicklerstellen zugunsten eines Portablen Open-Source Security-Elements (POSSE), fußend auf einer Implementierung unter OpenBSD. Mehr noch: Angesichts der Verlagerung auf bezahlte hauptamtliche Programmierer war das US-Geld mehr als willkommen zur Finanzierung des jährlichen Entwicklerkongresses Hackathon, der im Mai in Calgary stattfinden soll. Zwar sponsern die OpenBSD-Aktivisten den Kongress traditionsgemäß zum großen Teil selbst, indem sie etwa ihre Reisekosten aus eigener Tasche finanzieren. Doch dieses Jahr hat das Hotel Hyatt Regency Calgary Geld aus dem DARPA-Fundus für die Unterbringung der Tagungsteilnehmer sowie zum Aufstellen der zahlreichen vernetzten Entwicklungsrechner erhalten.

Allerdings zahlt die US-Behörde nicht unmittelbar an ausländische Projektnehmer, deshalb war Professor Jonathan Smith von der UPenn als Vermittler eingesprungen. Zugleich mit dem Förderstopp der Militärs hat die UPenn das Hyatt-Hotel an die Kandare genommen: Noch bevor die OpenBSD-Partner von der Sache erfuhren, hat die Uni offenbar per Telefon veranlasst, dass das Hyatt die Reservierungen storniert und die bislang gezahlten 15.300 US-Dollar, etwa 80 Prozent seiner Gesamt-Forderungen, ohne Gegenleistung einstreicht. Dem geschlossenen Vertrag zufolge kommen die etwa 60 anreisenden Programmierer nicht einmal zum Zuge, wenn sie die noch ausstehenden 4000 Dollar zuzahlen -- offenbar ist es auch der UPenn lieber, das bislang gezahlte Geld ganz ohne Nutzen für das OpenBSD-Projekt abzuschreiben.

Projektleiter Theo de Raadt, der anscheinend von Anfang an die Verhandlungen mit dem Hotel geführt hatte, äußert sich derzeit noch hoffnungsvoll, die Hotel-Manager könnten ihm in irgendeiner Form entgegen kommen. Dennoch erscheint die Situation recht kritisch für die geplante Zusammenkunft. Zwar könnte man argumentieren, DARPA und UPenn hätten nur aus Angst vor irakischen Agenten die Notbremse gezogen. Schließlich haben die Hackathon-Kongresse in der Vergangenheit immense spontane Kode-Neuerungen hervorgebracht, sodass ein eingeschleuster Saboteur theoretisch viel Schaden anrichten könnte. In der Fangemeinde überwiegt jedoch die Interpretation, dass die US-Instanzen den Gegnern der US-Außenpolitik eine Lehre erteilen wollten. Wenn diese Vermutung zutrifft, könnten Kongressteilnehmer zudem auf geheimen schwarzen Listen der US-Sicherheitsbehörden landen, sodass sie bei einer Einreise über die USA mit Schwierigkeiten rechnen müssten. (hps)

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