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OpenDocument 1.2 für 60 Tage zur Begutachtung

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Seit Ende vergangener Woche ist der komplettierte Entwurf des Standards OpenDocument (ODF) in der Version 1.2 für Jedermann zugänglich. Bis zum 6. September sind Entwickler, potenzielle Anwender und andere Interessenten zu öffentlichen Kommentaren aufgerufen. Anschließend soll noch im vierten Quartal 2010 zuerst die zuständige OASIS-Arbeitsgruppe unter dem Vorsitz von Rob Weir und dann die komplette Mitgliedschaft von OASIS (Organization for the Advancement of Structured Information Standards) darüber abstimmen, ob der Entwurf als offizielle OASIS-Norm verabschiedet wird.

Gegebenenfalls wird diese Norm danach der fachübergreifenden ISO (International Organization for Standardization) zur Absegnung als aktualisierte Version der Norm ISO-26300 unterbreitet. OASIS ist federführend für die Betreuung dieser Norm zuständig und und bemüht sich erklärtermaßen, die Interoperabilität, also die Fähigkeit zum Dokumentenaustausch zwischen verschiedenen Office-Suiten zu fördern.

Mit Version 1.2 legt ODF insbesondere bei den Rechenformeln nach. Der mittlerweile in drei Teile gegliederte Standard-Entwurf widmet den kompletten Teil 2 dem Thema OpenFormula, also der Definition von Rechenanweisungen in Tabellenblättern. Laut Blog-Entrag von Rob Weir soll OpenFormula nicht nur als Bestandteil von ODF Verwendung finden, sondern sich auch als eigenständige Richtschnur für andere Anwendungen bewähren, etwa für einen eigenständigen Gleichungs-Parser.

Die bislang nur rudimentäre Definition von Rechenformeln in ODF-Tabellenblättern hatte insbesondere Microsoft wiederholt als Interoperabilitäts-Mangel des OpenDocument-Standards kritisiert. Der konkurrierende, MS-geprägte Standard OOXML beschreibt ausführlich jede Rechenfunktion, die in einem Excel-Tabellenfeld als Formelbestandteil auftauchen kann – nicht zuletzt deshalb umfasst die Microsoft-Norm das viel kritisierte Ausmaß von mehr als 6000 Druckseiten. Die Spezifikation zu ODF 1.2 bringt es einschließlich OpenFormula auf 1100 Seiten.

Unklar ist derzeit, wie sich die Fortschritte von OASIS auf die Implementation marktüblicher Office-Suiten auswirken. Der wichtigste Exponent von OpenDocument-Merkmalen ist die freie Bürosuite OpenOffice, und diese verspricht bereits in der vor mehr als einem Jahr erschienenen Version 3.1, Dokumente gemäß ODF 1.2 zu speichern. Da braucht es keine besondere prophetische Gabe für die Erkenntnis, dass das damalige OpenOffice nicht exakt dem heutigen ODF-1.2-Entwurf entsprechen kann. Probleme dieser Art bleiben freilich auch der Konkurrenz in Redmond nicht erspart. Microsoft kann nämlich ebenso wenig für sich in Anspruch nehmen, dass die Default-Formate seiner Bürosuiten Office 2007 und Office 2010 exakt dem ISO-Standard 29500 für das Dokumentenformat OOXML genügen. (hps)

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