OpenDocument-Format soll globale Unterstützung erhalten

Zahlreiche IT-Großunternehmen haben sich zur Förderung des offenen Office-Standards verpflichtet. Auch auf deutsche Behörden wächst der Druck, künftig auf proprietäre Microsoft-Formate zu verzichten.

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Von
  • Peter-Michael Ziegler

Das OpenDocument-Format (ODF), ein von der Organization for the Advancement of Structured Information Standards (OASIS) entwickelter offener Standard für den Austausch von Office-Dateien, gewinnt immer mehr Anhänger. Vor allem Behörden und öffentliche Einrichtungen sehen in Programmen wie OpenOffice.org 2.0 oder StarOffice 8, die das neue, auf XML und JAR (Java-Archiv) basierende Dateiformat verwenden, eine kostengünstige Alternative zu proprietärer Software wie Microsofts Office-Suite. So teilte die französische Steuerbehörde Direction Generale des Imports am gestrigen Mittwoch mit, dass man im kommenden Jahr damit beginnen werde, das bislang auf mehr als 80.000 Arbeitsplatz-Rechnern genutzte Microsoft Office 97 durch OpenOffice zu ersetzen. Die damit verbundenen finanziellen Vorteile bezifferte die Behörde auf rund 29 Millionen Euro.

Dass dem weltgrößten Software-Hersteller im Office-Geschäft künftig ein deutlich schärferer Wind ins Gesicht wehen wird, lässt sich auch an den zahlreichen OpenDocument-Initiativen erkennen, die sich zum Ziel gesetzt haben, das freie Office-Format populärer zu machen und eine generelle Interoperabilität mit anderen Programmen zu gewährleisten. Nachdem sich Ende September schon die Open Document Fellowship gegründet hatte, trafen sich in der vergangenen Woche auf Einladung von IBM und Sun Microsystems nun Vertreter zahlreicher IT-Großunternehmen wie Oracle, Novell, Google, Computer Associates, Nokia, Intel, Red Hat, Adobe und Corel in Armonk (New York), um "auf globaler Ebene" zusätzliche Truppen für den anstehenden Machtkampf mit Microsoft zu sammeln, das auch beim neuen Office 12 nicht von hauseigenen Dokumentenformaten lassen will.

Nach einem Bericht von CNET verpflichteten sich die Teilnehmer des "ODF Summit" dazu, Ressourcen für die technische Erweiterung sowie eine tiefe Implementierung von ODF auch in andere Software-Standards zur Verfügung zu stellen, etwa im Bereich der Netzwerkunterstützung und in Kommunikationsprotokollen. Mehrere Unternehmen hätten zugesagt, Technical Committees von OASIS auch direkt zu unterstützen. Konkret soll dabei die Verbesserung von OpenDocument-Produkten für behinderte Menschen, die Entwicklung von Microsoft-kompatiblen DRM-Funktionen sowie die Standardisierung von Formel-Formaten für die Tabellenkalkulation gefördert werden. IBM will sich für die Einrichtung einer OpenDocument-Foundation stark machen, die den Vertrieb von ODF-Produkten fördern soll.

Auch auf deutsche Behörden wächst der Druck, elektronischen Dokumentenverkehr künftig über offene Standards statt über proprietäre und teilweise mit Patenten belegte Microsoft-Formate abzuwickeln. So liegt dem Deutschen Bundestag gerade eine Petition vor, die inzwischen von mehr als 1600 Personen unterzeichnet wurde. Verfasser Andreas Spengler weist unter anderem darauf hin, dass die Verwendung proprietärer Formate für Bundesbehörden mit erheblichen Kosten verbunden sei, da die entsprechenden Programme im Regelfall nur begrenzte Zeit vom Hersteller unterstützt würden und damit eine langfristige Archivierung den regelmäßigen Erwerb von Softwareupdates beziehungsweise neuer Programmversionen erfordere. Die Verwendung offener Standards garantiere hingegen, dass jeder Marktteilnehmer im Bereich der Informationstechnologie Konverter oder Schnittstellen für solche Dokumente anbieten könne. Im Fall der Microsoft-Formate sei dies aufgrund der Lizenzgestaltung und von Patenten nicht möglich. (pmz)