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OpenDocument-Wegbereiter gegen OpenDocument

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Das vorrangig von Sun entwickelte und mittlerweile als ISO-Standard weltweit abgesegnete Office-Dokumentenformat OpenDocument scheint bei einigen seiner bislang prominentesten Befürworter in Ungnade gefallen zu sein. Die OpenDocument Foundation, Inc. hatte sich vor fünf Jahren als Non-Profit-Company mit dem ursprünglichen Ziel gegründet, Open-Source-Verfechter zur Schaffung einheitlicher Standards für Desktop-, Server- und Web-Informationssysteme zusammenzubringen und den Einfluss marktbeherrschender Softwareanbieter auszugleichen. Ihre publikumswirksame Abwendung von OpenDocument hat am heutigen Mittwoch hohe Wellen im Internet und auf den einschlägigen Sites geschlagen. Dabei sollte man indes nicht übersehen, dass die Foundation wesentlich weniger Bedeutung für das Dokumentenformat hat als etwa die OpenDocument Alliance mit weltweit hunderten Mitgliedern, darunter OpenOffice.org, IBM, Google und Novell.

Die OpenDocument Foundation setzt sich dagegen aus wenigen, wenn auch nicht unbedeutenden Einzelpersonen zusammen, darunter Gary Edwards, Gründungsmitglied des OpenDocument Technical Committee beim OpenDocument-Gralshüter OASIS Open, dem ehemaligen OpenOffice.org-Projektleiter Sam Hiser und Buck Martin, bekannt als Groklaw-Autor Marbux. Ihre Ambitionen haben sich in der jüngsten Vergangenheit auf das Projekt da Vinci konzentriert, mit dessen Ergebnissen OpenDocument zum wirklich plattformunabhängigen Standard avancieren sollte.

Nach Ansicht der Foundation-Mitglieder wird das hauptsächlich in StarOffice/OpenOffice genutzte Format diesem Anspruch nämlich derzeit nicht gerecht, was sich unter anderem daran zeige, dass auch Microsoft das Format allenfalls mit zahlreichen anwendungsspezifischen Erweiterungen nativ unterstützen könne. Für die erarbeiteten ODF iX Interoperability Enhancements fand die OpenDocument Foundation keine Gegenliebe bei Oasis Open und kündigte prompt ihre Unterstützung für dieses Gremium auf.

Der nächste Schritt der Abkehr von OpenDocument folgte in Form eines Blog-Beitrags von Sam Hiser, der als neuen Favoriten das Compound Document Format propagiert. Dessen Konzept geht auf Bemühungen des World Wide Web Committee im Jahre 2004 zurück, auf Basis von XHTML ein Format unter Einbeziehung der ebenfalls offen standardisierten Sprachen MathML, SMIL und SVG zu definieren.

Die offizielle Begründung für den Kurswechsel lautet, man sei unzufrieden mit den Aktivitäten von Sun, die in erster Linie auf die Konkurrenzfähigkeit der eigenen Bürosuite StarOffice und deren Interoperabilität etwa mit MS Office abzielten, nicht aber auf die sinnvolle Erweiterung der OpenDocument-Definition. Zur selben Zeit proklamierte Martin das W3C-Format als einzigen Vertreter, der im Unterschied zu OpenDocument und Microsofts Open Office XML sowohl offen als auch Microsoft-kompatibel, Server-, Web- und Desktop-geeignet, plattform- und herstellerunabhängig, interoperabel, frei von Patentansprüchen und ein universelles Format sei. Die Frage nach einer Referenz-Implementation scheint bislang nicht gestellt worden zu sein, wird aber womöglich in den künftigen Aktivitäten der OpenDocument Foundation zum Tragen kommen, die sich folgerichtig in Compound Document Foundation umbenennen will. Angesichts der erhobenen Ansprüche der Foundation an ein offenes Dokumentenformat dürfte sich auch die klammheimliche Freude darüber bei Microsoft, die mit OOXML ein Konkurrenzformat zu OpenDocument bei der ISO standardisieren lassen wollen und bislang damit gescheitert sind, eher in Grenzen halten. (hps)

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