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Oper mit Roboter Myon in der Hauptrolle

In der Komischen Oper in Berlin ist erstmals ein Roboter im Mittelpunkt. Die Inszenierung "My Square Lady" zeigt: Die Fortschritte der Forschung überzeugen nicht auf der Bühne.

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(Bild: Iko Freese / drama-berlin.de)

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Zusammen mit der deutsch-britischen Performancetruppe Gob Squad und dem Forschungslabor Neurorobotik der Beuth Hochschule für Technik in Berlin zeigt das Haus das als Opernerkundung beschriebene Stück. Haupterkunder soll Myon sein, einer von fünf identischen, schneeweissen Robotern von der Größe eines Grundschülers, der ausgestattet ist mit einer Grundprogrammierung, die nur eines festlegt: dass er selbständig lernt. Mit einem zyklopischen Kameraauge nimmt Myon seine Umgebung wahr und verarbeitet sie. Für Wissenschaftler ein hochkomplexer Vorgang, für ein Opernpublikum eine gewisse Ödnis. Offenbar hat Myon in knapp zwei Jahren Vorarbeit vor allem gelernt, scheu zu sein, berichtet die Online-Ausgabe der Technology Review über die Premiere der Inszenierung.

Eingangs stellt sich nach und nach das ganze Ensemble vor. Vom Direktor bis zu drei Praktikantinnen tritt jeder vor ein Mikrofon auf der Bühne und summiert seine Meinung über Roboter. Dass man sich etwa Pflegeroboter wünsche, damit alte Menschen später so lange wie möglich zu Hause leben können. Oder dass man sich sicher fühle davor, in seinem Beruf nicht durch Roboter ersetzt zu werden. Myon wirkt hinfällig. Er sitzt. Die meiste Zeit bewegt er nur ein wenig den Kopf, wie ein Querschnittsgelähmter. Das Bild vom Pflegeroboter kippt, aus der hilfreichen Maschine wird selbst ein Pflegefall. Und penetrant wird Gefühl, vielmehr Rührseligkeit in die kleine Maschine hineingeredet.

Tatsächlich löst der Roboter vor allem ein Gefühl aus: Mitleid. Er scheitert. Was als Experiment und Erkundung angesagt ist und in einem tieferen Sinn eine komische Oper sein könnte, ist doch eigentlich eine Tragödie, ein Trauerspiel. Wie ein Folteropfer, das von seinen Peinigern vorgeführt wird, erscheinen seine Entwickler in Anzug und Krawatte und flankieren den erschöpft wirkenden Roboter (der während der Vorführung zweimal ausgetauscht wird), um zu verhindern, dass er einfach umfällt. Dass der Abend dennoch unterhaltsam verläuft, ist der Nummernrevue aus Arien und Popmusik zu verdanken, die den musikalischen Ablauf zeitgemäß zerflattern lässt. Eine gewisse Beliebigkeit ist der moderne Bildungsbürger ohne Weiteres bereit hinzunehmen, da er es gewohnt ist, dass im Netz allerlei Schönes und Interessantes angeschwemmt wird, ohne dass ihm jemand die algorithmische Struktur dahinter verraten würde.

Die vollständige Rezension von "My Square Lady" lesen Sie bei Technology Review Online:

(jle)