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Opteron-Geburtstag: Warten auf die Ablösung

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Vor vier Jahren hat AMD mit dem Opteron den ersten x86-Prozessor mit 64-Bit-Erweiterung auf den Markt gebracht. Mit der 1999 erstmals angekündigten AMD64-Technik konnte die Firma AMD erstmals nachhaltig gegen Intel punkten und ihren Marktanteil erheblich steigern. Die schnellen Serverprozessoren brachten AMD weg vom Image des billigen CPU-Jakobs und öffneten die Türen vieler Firmenkunden – über die positiven Erfahrungen mit den Serverprozessoren verbesserte AMD die Chancen der später eingeführten Athlon-64-Prozessoren, die sich mittlerweile nicht mehr nur bei Privatleuten großer Beliebtheit erfreuen, sondern auch in Bürocomputern angekommen sind.

Anlässlich des zweiten Opteron-Geburtstags brachte AMD (sogar früher als erwartet) die ersten Doppelkern-Prozessoren auf den Markt, zwischenzeitlich hatte man die AMD64-Produktion von 130- auf 90-Nanometer-Strukturen in der Dresdner Fab30 umgestellt. 2005 forderte AMD Intel sogar zum Dual-Core-Duell heraus, doch Intel nahm den Fehdehandschuh nicht auf – die damaligen NetBurst-Xeons hätten wohl keine Chance gehabt.

Nur wenige Monate nach dem Start der Dual-Core-Opterons versprach AMD bereits deren Quad-Core-Nachfolger mit überarbeiteter (K10-)Architektur, die als "Barcelona"-Opteron etwa zur Jahresmitte debütieren soll.

Im letzten Jahr hatte es AMD zwar planmäßig geschafft, die neue DDR2-Plattform für Stepping-F-Opterons im LGA1207-Gehäuse einzuführen, die auch Basis der Vierkerne sein wird, doch der Stargast wird mittlerweile sehr ungeduldig erwartet: Mit dem ziemlich reibungslosen Umstieg auf die neue Core-Mikroarchitektur ist Intel ein Comeback gelungen, die alten NetBurst-Prozessoren dagegen nutzt Intel nun als Waffe in einem harten Preiskampf, der AMD zuletzt über 600 Millionen US-Dollar Verluste eingebracht hat.

Die Zahlen sind so schlecht, dass AMD dringend frisches Geld sucht – Intel hatte den Zeitpunkt der Preisattacke gut gewählt: AMD steckte mitten in der Umstellung auf 65-nm-Fertigung, musste aber gleichzeitig neue Großkunden mit riesigen Stückzahlen versorgen. Lieferengpässe verärgerten prompt die Channel-Kunden, die zuvor eine wichtige Stütze des AMD-Marktwachstums waren. Dazu kam noch die 5,4 Milliarden US-Dollar teure ATI-Übernahme. Intel nutzte die AMD-Probleme geschickt für sich aus und würgt gleichzeitig mit den schnellen Core-2-Prozessoren die AMD-Preisliste oben ab.

Mangels lieferbaren K10-Prozessoren bleibt AMD zurzeit nur übrig, auf die jüngsten K8-Neuheiten hinzuweisen und wieder einmal die Performance-Überlegenheit des "nativen" Vierkerns Barcelona zu preisen: Im Gleitkomma-Durchsatz-Benchmark SPEC CPU2006 soll der K10 bei gleicher Taktfrequenz um 50 Prozent schneller sein als aktuelle Xeons (und bei Ganzzahl-Verarbeitung immerhin noch 20 Prozent schneller); Intel hat jedoch präventiv schon mal den kommenden 45-nm-Yorkfield-Vierkern für Desktop vorgeführt und betont bei jedem der zahlreichen Pressetermine zur 45-nm-Fertigungstechnik deren Taktfrequenzreserven.

Weil der Anteil von Vierkern-Prozessoren bisher noch recht gering ist – er liegt bisher deutlich unter 1 Prozent – kann der Serverprozessor Barcelona alleine den Abwärtstrend bei AMD nicht wenden. Die K10-Technik soll auch in neuen Dual-Core-Opterons sowie Vierkernen (Agena/Agena FX) und Doppelkernen (Kuma) für Desktop-PCs stecken sowie in abgewandelter Form ab 2008 in Notebook-Prozessoren (Griffin). Weil die Doppelkerne mit K10-Innenleben wohl frühestens im dritten Quartal den Markt erreichen, steht AMD sicher noch mehr als ein Verlustquartal bevor.

Das Warten auf den K10 ist selbstverständlich nicht die einzige Strategie, mit der AMD seine Probleme lösen will. Das Geschäftsmodell soll restrukturiert werden, Initiativen wie Torrenza, Fusion, DTX Trinity sollen die Zukunftsaussichten ebenso verbessern wie die juristische Auseinandersetzung mit Intel. (ciw)