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Ordnung kommt nicht von selbst: zum Tode von Benoît Mandelbrot

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Im Alter von 85 Jahren ist der Mathematiker Benoît B. Mandelbrot gestorben. Mandelbrot war 35 Jahre lang bei IBM angestellt und erforschte dort die fraktale Geometrie, die mathematische Untersuchung von Gebilden mit gebrochener Dimension. Er prägte diesen Zweig der Mathematik mit Begriffen wie fraktal und definierte die Mandelbrot-Menge, deren graphische Darstellung mit dem Programm Mandelzoom viele Mathematiker zum Programmieren brachte. Als Erfinder der Mandelbrot-Menge sah sich der Namensgeber indes nicht: "Jeder Anspruch, als Erster etwas erfunden oder gefunden zu haben, offenbart nur außerordentliche Arroganz", äußerte er zu dem Thema.

Der am 20. November 1924 in Warschau geborene Benoît Mandelbrot wuchs in einer jüdischen litauischen Familie auf, die nach Frankreich emigrierte und die französische Staatsbürgerschaft annahm. Nach der Schulzeit studierte er Mathematik bei Gaston Julia, der die nach ihm benannte Julia-Menge untersuchte, und bei Paul Levy. In den USA studierte Mandelbrot Aeronautik, ehe er 1952 in Paris den Doktorgrad der Mathematik erhielt. Bis 1958 arbeitete er beim französischen Großforschungsinstitut CNRS und wechselte dann zum WatsonResearch Center der IBM, wo er sich bis zur Pensionierung vor allem mit angewandter Mathematik beschäftigte.

Zum Schluss wurde Mandelbrot, der die französische und US-amerikanische Staatsbürgerschaft besaß, ein IBM-Fellow und war damit frei, sich beliebigen Themen zuzuwenden: "Ich arbeitete in einem Industrielabor, weil die akademische Welt keinen Platz für schräge Denker hatte," erklärte der Mathematiker in einem Gespräch, das deutsche Kollegen von der Universität Bremen mit ihm führten.

Nach seiner Pensionierung bei IBM im Jahre 1987 betätigte er sich bis 2005 als Mathematik-Professor an der Yale University. Er erhielt zahlreiche Preise, Ehrendoktorate und Auszeichnungen. Neben seinen Untersuchungen zur fraktalen Geometrie war Mandelbrot bestrebt, seine Erkenntnisse auch auf andere Bereiche zu übertragen. So veröffentlichte er Abhandlungen über die kosmologische Forschung oder über die fraktalen Strukturen von Finanzmärkten. Sein letzter wissenschaftlicher Beitrag beschäftigte sich mit dem Risiko-Management, Bei seinem letzten öffentlicher Auftritt bei der TED-Konferenz
erhielt er großen Beifall.
(Detlef Borchers) / (hps)

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