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Ostsee-Windpark Baltic 2 speist Strom ins Netz

Die Windräder des EnBW-Windparks Baltic 2 nördlich von Rügen speisen seit Montag Strom ins Netz ein. Der Energiekonzern verlegt den Schwerpunkt jetzt in die Nordsee. Auch vor Rügen sind weitere Projekte in Planung.

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Windpark Baltic 2

Windpark Baltic 2

(Bild: EnBW)

Nach zwei Jahren Bauzeit ist der größte Windpark in der deutschen Ostsee am Montag 32 Kilometer nördlich der Insel Rügen offiziell in Betrieb genommen worden. Baltic 2 sei ein weiterer Beweis, dass der Umbau der Energieversorgung in Richtung Dezentralisierung und erneuerbare Energien unumkehrbar sei, sagte EnBW-Vorstandschef Frank Mastiaux auf einer Festveranstaltung in Stralsund.

Der rund 1,4 Milliarden Euro teure Windpark mit einer Leistung von 288 Megawatt kann jährlich 1,2 Milliarden Kilowattstunden Strom für rechnerisch 340.000 Haushalte erzeugen – sechsmal so viel wie das EnBW-Vorgängerprojekt Baltic 1, das 2011 ans Netz gegangen war. Mit 138 Meter sind die Windräder nur einen Meter niedriger als die Cheops-Pyramide. Die Gründungen wurden teilweise bis zu 44 Meter in den Meeresboden getrieben.

Installation der letzten Windturbine für Baltic 2

(Bild: EnBW)

Nach zwei fertiggestellten Projekten in der Ostsee plant EnBW nun drei weitere mit einer Gesamtleistung von 1600 Megawatt Leistung in der Nordsee. Das Unternehmen investiert eigenen Angaben zufolge zwischen 2012 und 2020 rund 3,5 Milliarden Euro in erneuerbare Energien. Offshore liefere einen fast grundlastfähigen Strom. Zudem passe das industrielle Format eines Offshore-Windkraftparks zur DNA eines großen Energieunternehmens, begründete Mastiaux das starke Engagement in diesem Sektor.

Der EnBW-Chef appellierte an die Politik, mit energiepolitischen Rahmenbedingungen Planungssicherheit für Investoren und Betreiber von Offshore-Projekten zu gewährleisten. "Die Politik hat in den letzten zehn Jahren mutig auf diesen Sektor gesetzt. Der Mut zahlt sich aus. Offshore liefert." Es werde aber schwierig, wenn im Rahmen der EEG-Novelle überlegt werde, bereits genehmigte Projekte einem Ausschreibungsregime zu unterziehen, sagte Mastiaux. "Das ist nicht das richtige Signal."

Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) warb für ein weiteres Engagement der Branche in den Windkraft-Standort Ostsee. Die Ostsee habe hervorragende natürliche Bedingungen: genügend Wind, geringe Wassertiefen und kürzere Kabelverbindungen zum Land. Damit sei der Netzanschluss nur halb so teuer wie in der Nordsee, sagte Sellering.

Warnende Worte kamen aus Hamburg von der IG Metall. Nach der Fertigstellung von Baltic 2 drohe die Auftragskette wieder abzureißen, sagte IG Metall Bezirksleiter Meinhard Geiken. Damit Unternehmen wie Nordic Yards eine Chance auf neue Aufträge hätten, werde dringend Klarheit über die künftigen Bedingungen für den Betrieb der Offshore-Anlagen gebraucht. Die Reduzierung der küstennahen Eignungsflächen durch die Landesregierung bezeichnete Geiken als "falsches Signal". Die Landesregierung hatte nach massiven Protesten aus der Tourismusbranche, von Fischerei, Naturschützern und der Schifffahrt die Offshore-Windparkflächen im landnahen Küstenmeer drastisch verkleinert.

Nach EnBW will der spanische Energiekonzern Iberdrola von 2016 an mit dem 350-Megawatt-Projekt "Wikinger" einen weiteren Offshore-Windpark vor Rügen errichten. Der Energiekonzern Eon plant ebenfalls vor Rügen einen 385-Megawatt-Windpark. Eon will wie Iberdrola den Fährhafen Sassnitz als Logistikbasis nutzen. Eon und Fährhafen unterzeichnen im Juni einen entsprechenden Flächennutzungsvertrag. Die endgültige Investitionsentscheidung über das Eon-Projekt steht aber noch aus. (Martina Rathke, dpa) / (jk)

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