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Otto-Versand kann im Internet stark zulegen

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Der Otto-Versandhandel hat durch einen zweistelligen Zuwachs erstmals 2 Milliarden Euro Umsatz übersprungen. Nach einer Prognose sind die Erlöse im Geschäftsjahr 2010/11 (das am 28. Februar endet) um rund 12 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro gestiegen. Der Handel über das Internet legte um 30 Prozent zu, so dass mittlerweile 70 Prozent des Umsatzes (Vorjahr: 62 Prozent) auf diesen Vertriebsweg entfallen. Trotz steigender Preise für Baumwolle und andere Textilfasern will Otto die Einzelhandelspreise im Hauptkatalog bis August stabil halten.

Otto-Versand ist die Kerngesellschaft der Otto Group, zu der unter anderen auch Firmen wie der Baur-Versand, der Logistiker Hermes und der Fachhändler Sportscheck gehören. Für die Gruppe wird ein Geschäftsjahresumsatz von mehr als 11 Milliarden Euro erwartet. Angesichts der höheren Rohwaren-Notierungen wollte Otto-Vorstand Rainer Hillebrand ein erneut zweistelliges Wachstum im Versandbereich "nicht versprechen". Allerdings rechnet der für Vertrieb, Marketing und E-Commerce zuständige Manager im Internethandel wieder mit einer zweistelligen Wachstumsrate. Mehr als eine Million Artikel können online bestellt werden.

"Die Online-Welt wird den Handel weiter bestimmen", sagte Hillebrand. Deswegen will das Unternehmen sein Angebot auch über mobile Anwendungen wie Smartphones oder iPads an den Verbraucher bringen. Denn aus Sicht des Managers wird sich durch diese Endgeräte das Bestellverhalten der Kunden ändern: "E-Commerce geht raus aus dem Arbeitszimmer und rauf auf die Couch." 2012 rechnet Otto mit ersten "relevanten Mobile-Umsätzen". Für E-Commerce und IT sucht das Unternehmen 100 Mitarbeiter. Es hat aktuell 4100 Vollzeitstellen.

Im Internet ist Otto auch die Präsenz in sozialen Netzwerken wichtig. Es gebe eine neue Währung – Weiterempfehlung, sagte Hillebrand. "Wir müssen zulassen, dass über uns geredet wird." Bei einem Otto-Model-Wettbewerb auf Facebook im Herbst sei das Unternehmen überrannt worden, berichtete der Manager. Und anders als vom Unternehmen erwartet, gewann keine junge Frau, sondern ein BWL-Student in Frauenkleidern. Im Internet würden Regeln gebrochen, Otto habe das Ergebnis akzeptiert, sagte Hillebrand. Dem Sieger, der sich "Der Brigitte" nannte, wurde ein Praktikum im Unternehmen angeboten.

Die gestiegenen Rohstoffnotierungen, höhere Lohnkosten in Lieferländern sowie teurere Transporte zwingen Otto, Beschaffung und Logistik zu prüfen. Zur Reduzierung von Frachtkosten werde Ware statt mit dem Flugzeug mit Schiffen transportiert, berichtete Einkaufsvorstand Michael Heller. "Der Kunde wird aber nicht länger auf seine Bestellung warten müssen." Vielmehr sollen beispielsweise bei Lieferanten in China rechtzeitig größere Mengen bestellt werden. Außerdem werden neue Produzenten in der Türkei und Marokko einbezogen. Das verkürze die Transportwege und -kosten nach Europa, berichtete Heller. Chinas Lieferanteil liege grob geschätzt bei rund einem Drittel. (jk)