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Outcast: Second Contact – Planetenreise diesmal ohne Ruckler

Das legendäre, wenn auch glücklose Action-Adventure "Outcast" von 1999 bekommt ein frisches HD-Remake mit dem Untertitel "Second Contact". Die exotische Voxel-Technik von früher ist dabei abgelegt worden.

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Dank zeitgemäßer 3D-Beschleunigung läuft Spezialagent Cutter Slade erstmals geschmeidig durch die exotische Outcast-Spielwelt.

(Bild: Bigben Interactive)

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Als Pionier moderner Action-Adventures beeindruckte Outcast vom belgischen Entwicklerstudio Appeal im Jahr 1999 die Spieler mit einer offenen Spielwelt – und enttäuschte zugleich mit der trägen und fehlerhaften Voxel-Technik. In den vergangenen Jahren arbeiteten Yann Robert, Franck Sauer and Yves Grolet vom ursprünglichen Entwicklerteam in mehreren Stufen an einem Remake. Das neue "Outcast: Second Contact", das jetzt auf der Gamescom präsentiert wird, hat hochaufgelöste Polygon-3D-Grafik und mit dem glücklosen Klassiker in technischer Hinsicht nur noch wenig zu tun. Auch die Steuerung ist gegenüber früher verbessert worden. Inhaltlich jedoch bleibt es dem ursprünglichen Spiel treu.

Spielheld Cutter Slade ist Spezialagent und betritt im Rahmen eines Auftrags eine fremde Dimension. Auf dem Planeten Adelpha sucht er nach einem Mittel, um ein Schwarzes Loch zu schließen, das die Existenz der Erde bedroht.

Dort erlebte der Spieler beim früheren Outcast dank der verwendeten Voxel-Engine eine ungewohnte Fernsicht mit einem üppigen Panorama, während Figuren und Objekte aus der Nähe sehr grob wirkten. Zudem erforderte die Voxel-Technik enorme Rechenkraft und überforderte die für damalige Verhältnisse durchaus leistungsfähigen 500-MHz-Prozessoren. Heutige Hardware erlaubt es, schöne Panoramen und beeindruckende Fernsicht auch auf Polygon-Grundlage zu verwirklichen, zudem lassen sich die ärgerlichen Instabilitäten des ursprünglichen Spiels vermeiden.

Inhaltlich hat sich wenig verändert; äußerlich erstrahlt der Planet Adelpha in zeitgenössischem Glanz.

(Bild: Bigben Interactive)

Das Studio Appeal verlor die Markenrechte an den Publisher Infogrames, der den Namen Atari annahm. Laut Appeal-Miteigentümer Yann Robert war es erst im Jahre 2012 möglich, die Rechte zurückzukaufen. Als erstes fertigten die Belgier eine Steam-Version ihres Klassikers, bei der weder Bugs noch Ruckler die Exkursionen auf Adelpha störten. Die Spielwelt wirkte da allerdings noch betagter als in manchem Retro-Pixel-Abenteuer. Mit den Einnahmen aus dem erfolgreichen Verkauf der Steam-Version und der Unterstützung des französischen Publishers Bigben Interactive konnten die Appeal-Veteranen die Entwicklung einer zeitgemäßen HD-Fassung des Abenteuers in Angriff nehmen.

Der Spielablauf repräsentiert ein typisches Action-Adventure. In Slades Rolle bereist der Spieler eine weitläufige offene Welt, redet mit den einheimischen Thalanern, löst Rätsel und besteht Kämpfe. Er muss Gegenstände beschaffen, einen verletzten Bauern heilen und immer wieder gegen die Söldner und Steuereintreiber einer anderen Alien-Spezies kämpfen. Das erfordert den Einsatz von Waffen sowie flinke Stellungswechsel. Bei der Fassung, die auf der Gamescom zu sehen ist, wirkt dies noch ziemlich steif. Besser funktionieren die Dialoge, mit denen die Story weitergeführt wird. Das Management des Inventars geht gut von der Hand, alle Menüpunkte sind übersichtlich arrangiert.

Die Entwickler versprechen vollständig animierte Mimik – in der Gamescom-Demo wirken die Gesichter noch starr. Die Bewegungen von Cutter Slade sehen vergleichsweise elegant aus, die Lauf- und Aktions-Bewegungen der Gegner hingegen wirken spröde. Hübsch sind die Kulissen geraten. Appeal nutzt Unity als Game-Engine und hat eine Menge Erweiterungen hinzugefügt, um die Ebenen, Reisfelder und Berge von Adelpha ansehnlich in Szene zu setzen.

Der Spieler hört den erstklassigen sinfonischen Original-Soundtrack sowie die Sprecher der 1999er Version, darunter Manfred Lehmann, die deutsche Stimme von Bruce Willis. Die Entwickler haben ein rudimentäres Crafting-System hinzugefügt, das gut zum Selbermacher-Charme der Hauptfigur passt.

Publisher Bigben Interactive will "Outcast: Second Contact" im März 2017 veröffentlichen: als Download sowie auf Disk für Windows, PS4 und Xbox One. Im Falle eines Erfolgs will das Entwicklerstudio Appeal eine inhaltliche Fortsetzung auf Basis der neuen Game-Engine entwickeln. "Wir haben bereits eine Story konzipiert", sagte Yves Grolet im Gespräch.

Trotz aller Neuerungen wirkt "Second Contact" in vielerlei Hinsicht altmodisch. Andererseits: Die hübsch in Szene gesetzte Geschichte, die stimmungsvolle Inszenierung und das beeindruckende Ambiente könnten ein größeres Publikum für die strapaziöse Reise des Cutter Slade gewinnen. (psz)