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Oxford-Studie: Mehr politische Manipulationskampagnen auf Facebook & Co.

Propagandaforscher warnen: In immer mehr Ländern lassen sich organisierte Social-Media-Kampagnen nachweisen.

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(Bild: Wachiwit/Shutterstock.com)

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Weltweit nutzen immer mehr staatliche Akteure soziale Netzwerke, "um Konsens herzustellen, unerwünschte Stimmen zu unterdrücken und das Vertrauen in die liberale internationale Ordnung zu untergraben". Zu diesem Ergebnis kommen Propagandaforscher am Internet-Institut der britischen Universität Oxford in einer jetzt veröffentlichten Studie zum Stand globaler Desinformation 2019. Sie haben demnach in 70 Ländern Nachweise für organisierte Manipulationskampagnen in sozialen Medien gefunden, während dieses Phänomen im vorigen Jahr 48 und 2017 erst 28 Staaten betraf.

Vor allem autoritäre Regime haben laut der Untersuchung gelernt, soziale Netzwerke für ihre Zwecke einzusetzen. In 26 Ländern werde "computergestützte Propaganda" unter Zuhilfenahme auch von Bots oder Trollen als Werkzeug genutzt, um die Informationsverbreitung zu kontrollieren, politische Gegner zu diskreditieren oder abweichende Meinungen "zu ertränken". Meist werde dieses Instrument eingesetzt, um die eigene Bevölkerung zu beeinflussen. Facebook und Twitter selbst hätten aber China, Indien, Iran, Pakistan, Russland, Saudi-Arabien und Venezuela vorgeworfen, über die Plattformen Desinformationsoperationen in anderen Ländern durchzuführen und teils damit auf ein globales Publikum abzuzielen.



China haben die Wissenschaftler als hauptsächlichen Akteur ausgemacht. Bis zu den Protesten in Hongkong, die seit dem Frühjahr an Kraft gewinnen, sei staatliche chinesische Online-Propaganda vor allem auf nationalen Plattformen wie Weibo, WeChat oder QQ nachweisbar gewesen. Mittlerweile zeige Peking aber großes Interesse daran, auch Facebook, Twitter und YouTube einzuspannen, was Anlass zur Sorge für westliche Demokratien sein sollte. Insgesamt bleibe Facebook international das meistgenutzte Medium für Manipulationskampagnen: Anzeichen dafür habe es dort 2018 in 56 Ländern gegeben.

Für Deutschland weist der Bericht eine niedrige Propaganda-Kapazität von "Cybertruppen" aus. Dies gilt etwa auch für Österreich, Ungarn, Italien, Nordkorea, Polen oder Spanien. In diesen Ländern sind laut den Forschern "kleine Teams" vor allem in Zeiten von Wahlkämpfen oder sonstigen Abstimmungen online unterwegs, es gebe dort aber nicht permanent ausgefeilte Beeinflussungskampagnen von Regierungen oder Parteien. Zudem experimentierten die Infokrieger in diesen Staaten nur mit einer Handvoll Strategien wie dem Einsatz von Social Bots, um Desinformation breiter zu streuen. Generell sei computergestützte Propaganda inzwischen zu einem "normalen Teil der digitalen Öffentlichkeit" geworden. (vbr)