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Ozonloch 2019 so klein wie seit 30 Jahren nicht mehr

Zwar erholt sich die Ozonschicht, aber noch öffnet sich jedes Jahr über der Antarktis das Ozonloch. So klein wie in diesem Jahr war es aber lange nicht mehr.

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Die aktuelle Ausbreitung des Ozonlochs (je blauer, desto geringer die Ozon-Konzentration): In wenigen Tagen soll es sich geschlossen haben.

(Bild: CAMS ozone forecasts)

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Das jährlich über der Antarktis auftretende Ozonloch ist in diesem Jahr so klein wie seit 30 Jahren nicht mehr und wird sich auch früher schließen als in den vergangenen Jahren. Das geht aus Messungen hervor, die die ESA mit ihrem Copernicus-Satelliten Sentinel-5P gemacht und öffentlich vorgestellt hat. Demnach erreichte das Ozonloch in diesem Jahr eine Ausdehnung von rund 10 Millionen Quadratkilometern, weniger als die Hälfte der Ausdehnung der vergangenen Jahre. Verantwortlich war demnach aber eine ungewöhnliche Erwärmung der Stratosphäre. Es sei kein Hinweis darauf, dass sich die Erholung der Ozonschicht beschleunigt.

Entwicklung der Ozonschicht über der Antarktis im Jahr 2019 (Quelle: Copernicus Sentinel data (2019), processed by CAMS/ECMWF)

In den 1980er-Jahren war der Abbau der Ozonschicht durch Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) als eine des drängendsten globalen Umweltprobleme in den Fokus gelangt, nachdem die chemischen Hintergründe 1974 erstmals beschrieben worden waren. Im September 1987 unterzeichneten 24 Staaten und die Europäische Gemeinschaft das Montrealer Protokoll, um den verpflichtenden Ausstieg aus den FCKW einzuleiten. Der Ausstieg gilt als weitestgehend abgeschlossen, gleichzeitig stellen die teilfluorierten Kohlenwasserstoffe (HFKW), die die FCKW vor allem als Kältemittel in der Klima- und Kältetechnik bis heute ersetzen, auch ein Problem für das Klima dar, sagt das Umweltbundesamt.

Das Ozon in der Atmosphäre schützt die Lebewesen der Erde vor der schädlichen UV-Strahlung der Sonne, erklärt die ESA. Erholt sich die Ozonschicht in der Stratosphäre weiterhin in der gemessenen Rate, sollte sie sich über den nördlichen und mittleren Breiten bis 2030 erholt haben, über der südlichen Hemisphäre bis 2050 und über den Polregionen bis 2060 – es gibt aber wohl auch gegenläufige Entwicklungen. "Die Ozonschicht ist das perfekte Beispiel dafür, wie ein wissenschaftlicher Beweis zu einem signifikanten Politikwechsel und dadurch zu einem Verhaltenswandel geführt hat", erklärt Josef Aschbacher, der bei der ESA die Erdbeobachtungsaktivitäten verantwortet und dazu auch in der aktuellen #heiseshow zu Gast war.

Die aktuelle Folge der #heiseshow

Sentinel-5P war im Oktober 2017 gestartet und kann Spuren von Gasen wie Stickstoffdioxid, Ozon, Formaldehyd, Schwefeldioxid, Methan, Kohlenstoffmonoxid, aber auch Aerosole messen. Damit bekommen Forscher ein tägliches Bild unserer Atmosphäre, wie es das in dieser Genauigkeit vorher nicht gab. Neben der Entwicklung der Ozonschicht kann dadurch unter anderem auch die Luftverschmutzung in großer regionale Genauigkeit analysiert werden. (mho)