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PC-Fritz: Windows-Raubkopien stammten aus Ukraine

Die Spur führt in die Ukraine: Der Softwarehändler PC Fritz soll seine mutmaßlichen Raubkopien von dort bezogen haben. Der mutmaßliche Hintermann in Kiew soll sich bereits auf die Krim abgesetzt haben.

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Der Softwarehändler PC Fritz hat seine mutmaßlichen Windows-7-Fälschungen offenbar aus der Ukraine bezogen. Laut Informationen des Spiegel verdächtigen die Ermittler dabei den in Kiew lebenden Berliner Reiko O. Er soll unter anderem den Transport der Kopien aus der Ukraine organisiert haben.

Weder Millionär noch krebskrank: Der vermeintliche PC-Fritz-Geschäftsführer Mahlow war wohl nur ein Strohmann

(Bild: PC Fritz)

Wahrscheinlich zählt O. zu den Hintermännern, über die Maik Mahlow, der Ex-Geschäftsführer von PC-Fritz, laut Berichten von vergangener Woche auspacken wollte. Mahlow wurde Ende April verhaftet und stellt sich selbst nur als Strohmann dar. Seine öffentliche Selbstdarstellung als krebskranker Self-Made-Millionär soll komplett erfunden gewesen sein. Neben Mahlow wurden noch drei weitere mutmaßlich Verantwortliche bei PC Fritz verhaftet.

Reiko O. soll laut Spiegel in Kiew als Chefredakteur des dubiosen Online-Blatts "Berliner Tageszeitung" aufgetreten sein, auf dem unter anderem Hetzkampagnen gegen die dortige Oppositionsführerin Julija Tymoschenko verbreitet wurden. Dem Bericht zufolge streitet er alle Vorwürfe ab, laut einer Stellungnahme sehe er eventuellen Ermittlungen "mehr als nur sonnig gelassen entgegen". O. soll sich zudem bereits auf die Krim abgesetzt haben.

PC Fritz steht seit Monaten im Visier der Behörden. Der Online-Händler war bekannt geworden, weil er Windows-7-DVDs für knapp 20 Euro verkauft hatte. Nach Überzeugung von Microsoft sowie Zoll und Staatsanwaltschaft hat PC Fritz gefälschte Windows-DVDs mit ebenfalls gefälschten Echtheitszertifikaten verkauft. Das Unternehmen hat hingegen stets behauptet, es handle mit originalen Recovery-DVDs und OEM-Lizenzen von PC-Herstellern wie Dell.

Im September 2013 hatten die Behörden Räumlichkeiten des Unternehmens durchsucht. Dabei wurden Unterlagen und rund 170.000 Datenträger beschlagnahmt, bei denen es sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft "durchweg um Fälschungen" handelt. Dennoch darf Microsoft derzeit nicht öffentlich behaupten, PC Fritz habe mit Fälschungen gehandelt. Das Unternehmen hat eine Einstweilige Verfügung erwirkt, gegen die Microsoft weiter vorgeht. (axk)