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PC-Markt: Handelskrieg und Windows-Wechsel sorgen für Belebung

Der weltweite PC-Markt ist im zweiten Quartal gewachsen – und das liegt nicht nur an Intel, die langsam wieder liefern können.

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(Bild: c't)

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Der weltweite PC-Markt dreht nach dem Schrumpfkurs der vergangenen Monate wieder ins Plus. Wie aus jüngsten Zahlen von Marktforschern hervorgeht, konnten die Hersteller im zweiten Quartal wieder etwas mehr Arbeitsplatzrechner und Laptops absetzen als in der Vorjahresperiode. Während Gartner das Gesamtwachstum auf 1,5 Prozent beziffert, kommen die Analysten von IDC auf knapp 5 Prozent.

Die drei größten Hersteller Lenovo, HP und Dell teilen zwei Drittel des Weltmarkts unter sich auf. Dabei konnte Lenovo die Marktführerschaft behaupten; jeder vierte ausgelieferte PC kommt aus den Werken der Chinesen. Acer, Apple und Asus folgen in deutlichem Abstand dahinter. Die Zahlen von Gartner und IDC unterscheiden sich im Einzelnen wegen unterschiedlicher Zuschnitte des Marktsegments, bestätigen aber den Gesamttrend.

PC-Markt Q2 2019 (Gartner)
Hersteller Absatz Q2 2019
Marktanteil Absatz Q2 2018 Marktanteil
Absatz +/-
Lenovo 15,77 Mio. 25,0 % 13,61 Mio. 21,9 % +15,9 %
HP 13,99 Mio. 22,2 % 13,64 Mio. 22,0 % +2,6 %
Dell 10,65 Mio. 16,9 % 10,44 Mio. 16,8 % +2,1 %
Apple 3,71 Mio. 5,9 % 3,72 Mio. 6,0 % -0,2 %
Acer 3,40 Mio. 5,4 % 3,97 Mio. 6,4 % -14,4 %
Asus 3,10 Mio. 4,9 % 3,44 Mio. 5,5 % -9,9 %
Andere 12,35 Mio. 19,6 % 13,23 Mio. 21,3 % -6,7 %
Gesamt 62,97 Mio. 62,04 Mio. +1,5 %
Gartner, Juli 2019

Für das Wachstum machen die Marktforscher verschiedene Faktoren verantwortlich. Belebend wirkt einerseits, dass Intel die Lieferschwierigkeiten der vergangenen Monate in den Griff bekommt. "Die Versorgung mit Intel-Prozessoren hat sich im Quartal merklich verbessert", erläutert IDC-Analyst Jitesh Ubrani. "Die Hersteller konnten alte Bestellungen abarbeiten und einen beträchtlichen Vorrat neuer PCs in den Handel bringen."

Neben der Erholung bei Intel-Prozessoren lässt das im Januar 2020 anstehende Supportende für Windows 7 die Nachfrage nach Windows-10-Rechnern steigen, erklärt Gartner-Analystin Mikako Kitagawa. "Das starke Wachstum bei Arbeitsplatzrechnern hat dabei den Rückgang bei Mobilrechnern kompensiert." Der Systemwechsel dürfte auch im laufenden Quartal eine belebende Wirkung haben, allerdings rechnen die Analysten nicht mit so starken Effekten wie beim Ende von Windows XP.

PC-Markt Q2 2019 (IDC)
Hersteller Absatz Q2 2019 Marktanteil Absatz Q2 2018 Marktanteil Absatz +/-
Lenovo 16,25 Mio. 25,1 % 13,75 Mio. 22,2 % +18,2 %
HP 15,36 Mio. 23,7 % 14,88 Mio. 24,0 % +3,2 %
Dell 11,61 Mio. 17,9 % 11,26 Mio. 18,2 % +3,1 %
Acer 4,29 Mio. 6,6 % 4,36 Mio. 7,0 % -1,7 %
Apple 4,08 Mio. 6,3 % 3,72 Mio. 6,0 % +9,5 %
Andere 13,28 Mio. 20,5 % 13,96 Mio. 22,5 % -4,9 %
Gesamt 64,86 Mio. 61,93 Mio. +4,7 %
IDC, Juli 2019

Auch der Handelskrieg zwischen den USA und China wirkt sich auf die Marktentwicklung aus. Die Hersteller haben mehr Rechner in die Handelskanäle ausgeliefert, um möglichen Strafzöllen vorzugreifen. "Die drohende Erhöhung der Zolltarife hat einige Hersteller dazu veranlasst, mehr Desktops und Notebooks auszuliefern und so den Gesamtmarkt im zweiten Quartal künstlich aufgeblasen", erklärt IDC-Analyst Ubrani.

Gartner sieht zwar keine direkten Auswirkungen auf die Zahlen des zweiten Quartals, warnt jedoch vor dem Effekt von möglichen Strafzöllen. "Die meisten Laptops und Tablets werden in China gefertigt", erläutert Kitagawa. "Wenn es Strafzölle geben sollte, könnte sich das für den Vertrieb dieser Geräte in den USA mit erheblichen Preiserhöhungen auswirken".

Die von Gartner und IDC errechneten Daten unterscheiden sich unter anderem durch den Zuschnitt des Marktsegments. Gartner bezieht neben Desktop-PCs und Notebooks auch "ultramobile Premium-Rechner" wie das Surface ein, andere Tablets wie das iPad und Chromebooks aber nicht. IDC zählt Desktop-PCs, Notebooks und Workstations zum PC-Segment, aber keine Tablets oder Server. (vbr)