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PC-Weltmarkt: Wachstum kühlt sich ab

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Die Nachwehen der Finanzkrise sowie die Tablets wirbeln den PC-Markt durcheinander und erschweren Prognosen. Trotzdem haben die Marktforscher von Gartner und IDC gute Nachrichten: Die im Jahr 2010 weltweit verkauften Desktop-PCs, Net- und Notebooks schätzen sie auf insgesamt 350,9 (Gartner) beziehungsweise 346,2 Millionen (IDC) Stück, was einem Wachstum von 13,6 beziehungsweise 13,8 Prozent im Vergleich zum Jahr 2009 entspricht.

Allerdings hat sich das Wachstum im vierten Quartal 2010 stark abgeschwächt, in dem aber immerhin weltweit noch 93,5 (Gartner) beziehungsweise 92,1 Millionen x86-Computer verkauft wurden. In den USA gingen die absoluten Stückzahlen demnach sogar um 6,6 beziehungsweise 4,8 Prozent zurück. Ursache war zum Teil der sehr hohe Vergleichswert aus dem Jahr 2009 – damals waren die Stückzahlen geradezu explodiert. Doch auch die wirtschaftlichen Probleme in den USA spielten eine wichtige Rolle. Schließlich, so erklären Gartner und IDC übereinstimmend, drückten die "Media Tablets" auf den PC-Absatz. Gemeint ist vor allem das iPad. Geräte dieser Art zählen Gartner und IDC – anders etwa als die Firma DisplaySearch – nicht mit zu den PCs beziehungsweise Mobilcomputern.

PC-Markt 2010
Gartner IDC
Hersteller Marktanteil Stückzahl Wachstum Marktanteil Stückzahl Wachstum
HP 17,9% 62,8 Mio. 6,5% 18,5% 64,2 Mio. 6,9%
Dell 12,9% 45,3 Mio. 13,8% 12,5% 43,4 Mio. 13,0%
Acer 12,0% 42,1 Mio. 12,8% 12,3% 42,4 Mio. 10,5%
Lenovo 9,7% 34,0 Mio. 37,3% 9,9% 34,2 Mio. 37,3%
Toshiba 5,4% 19,0 Mio. 22,7% 5,5% 19,1 Mio. 20,6%
andere 42,1% 147,8 Mio. 11,9% 41,3% 142,9 Mio. 12,4%
Summe 350,9 Mio. 13,8% 346,2 Mio. 13,6%
Quelle: Gartner, IDC 2011

Besonders betroffen war Acer: Anders als HP, Dell oder Lenovo, die allesamt auch viele Bürocomputer an Firmenkunden verkaufen, ist Acer besonders bei Privatleuten (Consumer) erfolgreich – und hat deshalb auch besonders vom Boom der billigen Netbooks (Acer One) profitiert. Nun kam die Quittung: In den USA sackten die Acer-Stückzahlen im vierten Quartal um 30,4 Prozent (Gartner) im Jahresvergleich ab. Für Asus liegen leider keine gesonderten Zahlen vor. Acer und Asus haben auf der CES 2011 allerdings viele Tablets angekündigt, Acer will innerhalb von drei Jahren zum Marktführer werden.

Andere Firmen konnten trotz der Tablets deutlich zulegen, besonders Lenovo und auch Toshiba. Das kräftigste Wachstum wird weiterhin in den Entwicklungs- und Schwellenländern erwartet. Für die USA sagen die Marktforscher zunächst keine Veränderungen voraus, erst im zweiten Halbjahr soll es wieder aufwärts gehen. Im Heimatmarkt ist Apple übrigens nach Stückzahlen der fünftgrößte PC-Verkäufer.

Als wichtigsten Weltmarkt mit 32 Millionen Geräten hat Gartner im vierten Quartal die EMEA-Region ermittelt, dann folgt Asien mit fast ebenso vielen Computern und schließlich die USA mit 19,8 Millionen. In Lateinamerika wuchs der Markt am stärksten, nämlich um 15 Prozent.

Im Mai 2010 hatte Gartner noch ein stärkeres Wachstum auf 376,6 Millionen verkaufte Computer im Wert von 245,5 Milliarden US-Dollar prognostiziert, diese Zahl aber später auf 352 Millionen reduziert. Der starke Trend weg vom Desktop-PC ist schon länger absehbar und auch den Tablet-Boom hatten manche vorhergesagt. Dass sich aber die Verkaufszahlen bei den Billig-Notebooks alias Netbooks so rasch ändern, ist doch überraschend. Das könnte auch die Ursache für einen weiteren Effekt sein: Sowohl Gartner als auch Intel hatten vor wenigen Wochen von leicht steigenden Durchschnittspreisen bei PCs beziehungsweise Prozessoren gesprochen – doch der ließe sich auch dadurch erklären, dass schlichtweg die Verkaufszahlen der Billigprodukte schrumpfen. Spannend ist nun auch, welchen Anteil am bisherigen PC- beziehungsweise Notebook-Markt die Geräte mit ARM-SoCs und Betriebssystemen wie iOS, Android und in einigen Jahren auch ARM-Windows erobern werden.

Hinweis: Marktforscher wie Gartner, IDC oder auch iSuppli veröffentlichen stets nur Auszüge aus ihren umfangreichen Tabellenwerken. Diese sind kostenpflichtig und dürfen auch in Auszügen nicht veröffentlicht werden. Zu den Schätzmethoden und zur Datenbasis machen die kommerziellen Marktforscher, die mit ihren kostenlosen Veröffentlichungen für sich werben, üblicherweise keine Angaben. Trotz der eigentlich also unsicheren Datenlage sind die Schätzungen von großer Bedeutung, weil es schlichtweg keine genaueren Zahlen gibt und die betroffenen Firmen deshalb ebenfalls damit argumentieren. (ciw)