PCs mit Microsofts XP Media Center kommen nach Deutschland

Die bereits angekündigte neue Version von Windows XP Media Center für Rechner mit Fernbedienung für TV-Empfang und -aufzeichnung sowie Steuerung weiterer Multimediafunktionen ist fertig.

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Von
  • Erich Bonnert

Die schon vor Wochen angekündigte neue Version von Windows XP Media Center ist fertig. Jetzt werden die bisher in Europa nicht erhältlichen Rechner mit Fernbedienung für TV-Empfang und -aufzeichnung unter anderem auch in Deutschland, Frankreich und Großbritannien angeboten.

Die Grundstruktur der Media Center Edition von Windows XP bleibt unverändert, doch Microsoft hat einige neue Funktionen eingebaut und zahlreiche Hardware-Hersteller dazu gewonnen, die nun auch TV-fähige Rechner verkaufen wollen. Wie bisher steuern Benutzer mit einer schnurlosen Fernbedienung den Empfang von TV- und Radiokanälen, das Abspielen von Musikdateien oder die Anzeige von digitalen Fotos oder Videos. Ein simples Bedienmenü gibt wie beim Fernseher dem Anwender Funktionen zum Anklicken vor. Empfangene Sendungen können auch auf der Festplatte gespeichert werden und lassen sich, genau wie Fotos, Videos und andere Multimediadateien, entweder per Fernbedienung oder mit der gewohnten Windows-Oberfläche verwalten.

Die augenfälligsten Neuerungen sind Pause- und Rücklaufknöpfe zur Steuerung von aufgezeichneten Radio- und Fernsehsendungen. Dazu kommen Kopierfunktionen für CDs auf Festplatte sowie die Bearbeitung von digitalen Fotos. Menüpunkte zur Korrektur von Kontrasten und zur Beseitigung von "roten Augen" sind beispielsweise fest eingebaut: Alles geschieht per Fernbedienung, ohne ein Anwendungsprogramm aufzurufen.

In die Media-Auswahlleiste integriert sind zudem Menü-Knöpfe zur Anwahl der gebührenpflichtigen Internet-Videodienste CinemaNow für Streaming-Videos und Movielink, das Download-Filme vertreibt. Ein Service-Gebinde mit dem (fürs Jahresende in einer überarbeiten Version angekündigten) Musikdienst Napster soll ebenfalls angeboten werden. Mit Hilfe eines Software-Entwicklerkit will Microsoft auch anderen Service-Anbietern die Möglichkeiten geben, ihre Dienste an die Media-Center-Schnittstellen anzukoppeln.

Zu den großen Vorzügen der neuen Media-Center-Software zählt Microsoft die Online-Anbindung an Programmübersichten für alle verfügbaren Fernsehkanäle (Extended Programm Guide, EPG). Der Software-Hersteller stellt diesen Dienst in Zusammenarbeit mit den jeweiligen regionalen Sendern kostenlos bereit. Microsoft-Vizepräsident Rick Thompson meinte allerdings, dass dieser Service auch einmal ein Bezahldienst werden könnte. Für einzelne Länder müssen bis zum jeweiligen Verkaufsstart noch Kooperationen mit den Landessendern getroffen werden, erklärte Thompson. Wann und zu welchen Preisen die TV-PCs in Deutschland in den Handel kommen, war vorerst nicht zu erfahren. Fest steht, dass neben HP auch Actebis, Fujitsu, Gericom, Toshiba (nur Notebooks) und Vobis in Deutschland Media-Center-Systeme verkaufen wollen.

Über 40 Hersteller legten bei der Startveranstaltung ihre Pläne für eigene Media-Center-PCs dar. Neben HP und Gateway, die bereits seit rund einem Jahr Geräte mit der Windows-Vorversion angeboten haben, reihen sich jetzt auch Dell, Fujitsu-Siemens, sowie die Japaner NEC, Sony und Toshiba ein. Insbesondere Sonys Engagement sorgte für eine leichte Überraschung, hatte der Elektronikkonzern doch noch im Januar auf der Consumer Electronic Show dem PC als mediales Zentrum in Wohnzimmern eine Absage erteilt: Der Fernseher sollte stattdessen im Mittelpunkt stehen. Es bleibt abzuwarten, ob die Japaner ihre Produktstrategie nun stärker auf den PC ausrichten, der zum Großteil aus lizenzierten Komponenten (Betriebssystem, Prozessoren, Chipsätze) besteht. Sonys Media-Center-Geräte werden jedenfalls nur in den USA zu haben sein, nicht aber im heimischen Markt. In Japan verkaufen dafür NEC und Toshiba.

Direktversender Dell und Gateway bedienen ausschließlich Nordamerika. Einziger Anbieter in China ist HP, der mit den Wohnzimmer-Kisten die größte internationale Reichweite hat. Von den Kaliforniern kommt auch das derzeit preisgünstigste Angebot mit 999 US-Dollar für ein 2,4-GHz-Modell mit 80-GByte-Festplatte ohne Monitor. Neben den fast durchgängig im Tower-Format konstruierten Desktop-PCs fiel US-Hersteller Shuttle PC durch ein kompaktes quaderförmiges Modell auf, dass in sieben Farben erhältlich ist.

Microsoft hofft nun auf einen Boom der Multimedia-PCs durch die Fülle der Anbieter und Formate und den vermutlich entstehenden Preiskampf im Vorweihnachtsgeschäft. Wie viele Media-Computer der ersten Generation verkauft wurden, wollte der Softwareriese jedoch lieber nicht verraten. HP, im Vorjahr erster Anbieter, behauptet allerdings, im vergangenen Weihnachtsgeschäft bei den Media-Center-PCs ausverkauft gewesen zu sein.

Consumersparten-Manager Thompson räumte jedenfalls ein, dass man die Käuferzielgruppe ganz falsch eingeschätzt habe. Junge Käufer und Studenten, die mit einer TV-PC-Kombination zum Beispiel im Studentenwohnheim Platz sparen wollen, seien anvisiert worden. Stattdessen war der durchschnittliche Käufer 43 Jahre alt. Nun hoffen die Redmonder, mit der vordefinierten Oberfläche mehr Anwendern den Wechsel zwischen PC-Modus (Maus- und Tastaturbedienung) und Entertainment-Betrieb (Fernbedienung) schmackhaft zu machen. (Erich Bonnert) / (jk)