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PCs ohne PC: Microsoft kombiniert E-Book und Surf-Terminal

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Microsoft trennt sich vom klassischen PC? Nicht ganz: "Ein zentraler Punkt: Das ist ein voll ausgerüsteter PC, nicht etwa ein eingeschränktes Device. Das war ein Windows-2000-Gerät, das alle existierenden Anwendungen beherrscht und auch die Neuen, die aus dieser Plattform Nutzen ziehen", so kommentierte Bill Gates auf dem Forum 2000 die Vorführung eines Tablet PC.

Burt Keylie, Chef der Microsoft-Gruppe, die das Gerät entwickelte, beschrieb den Tablet PC als Kombination der visuellen Qualitäten einer Zeitschrift mit der Handlichkeit eines Notizbuchs und der Leistung eines PC. Nach außen präsentiert sich dieses Gerät als DIN-A4-großes LC-Display, auf dem direkt geschrieben werden kann. Der erste Eindruck unterscheidet den Tablet PC nicht groß vom Web-Pad, das National seit einiger Zeit propagiert – allerdings arbeitet der Tablet PC im Hochformat. Und natürlich sieht Microsoft das neue Gerät als passendes Device für Microsofts .NET-Infrastruktur für ein "besseres Internet". Keylie kündigte an, dass wohl innerhalb von ein oder zwei Jahren Microsoft-Partner entsprechende Geräte auf den Markt bringen würden.

Einen Schwerpunkt bei seiner Präsentation legte Keylie darauf, dass ein Tablet PC die Qualität von Zeitungen und Büchern haben solle: Von der Klarheit und einfachen Lesbarkeit der Schriften bis hin zum Umblättern der Seiten, das so einfach wie bei einem Buch werden müsse. "Wir haben uns diese elektronischen Bücher angesehen. Das ist ein Content-Typ, der wirklich ein besseres Gerät erfordert", beschrieb er den Ausgangspunkt für die Entwicklung des Tablet PC. Die Möglichkeiten im User-Interface von .NET würden endlich der Interaktivität von Papier entsprechen, stellte Keylie den Zusammenhang zwischen Tablet PC und den Vorstellungen von Microsoft über die neue Netz-Infrastruktur her.

Integriert in den Tablet PC sollen natürlich nicht nur Microsofts Techniken für elektronische Bücher und Font-Darstellungen sein, sondern auch das Internet, beziehungsweise die Möglichkeit, mit dem Tablet PC jederzeit direkt Netz-Ressourcen anzusprechen – sei es für die Bestellung neuer Bücher, sei es für andere finanzielle Transaktionen mit digitalem Rechte-Management und Verwaltung der User-Daten durch Microsoft-Software. Solch triviale Funktionen wie etwa Surfen im Web und den Austausch von E-Mails beherrscht der Tablet PC natürlich auch. Wie nicht anders zu erwarten arbeitete auf dem Surf-Terminal/E-Book/E-Magazin Microsofts Outlook als Mailprogramm – aber ausgebaut um ein paar neue Funktionen, etwa an eine E-Mail angehängte Dokumente ohne zugehörige Anwendung im richtigen Format zu öffnen, ergänzt um die Möglichkeit, direkt Anmerkungen eingeben zu können. Da ist es dann wohl auch selbstverständlich, meint zumindest Keylie, dass ein Tablet PC die Handschrift des Benutzers erkennt – und alle Texte auch bearbeitet und durchsucht werden können, ohne sie zuerst in normale ASCII-Texte umzuwandeln. Und natürlich arbeitet solch ein Tablet PC ohne Kabel: Ins Internet gelangt man mit ihm über eine Funk-Anbindung.

Bill Gates jedenfalls meinte, er würde nur allzu gerne einen dieser Tablet PCs haben: "Es gibt wirklich eine Menge faszinierender Sachen, die wir mit Notizeingaben und Informations-Sharing machen können." Ob die Anwender ihm in dieser Begeisterung für die "PCs jenseits des PC" folgen, muss sich herausstellen, wenn Tablet PCs wirklich auf den Markt kommen. (jk)