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PES 2020: Großartig, aber unbeständig

PES 2020 ist auf dem Platz eine große Freude, wenn alles glatt läuft. Bei den Details hapert es allerdings noch ein wenig.

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(Bild: Konami)

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Pro Evolution Soccer 2020 trumpft mit dem typischen PES-Spielgefühl auf: Langsam, methodisch und authentisch schiebt man in der Gamescom-Demo die Kugel über das Spielfeld. Bälle wollen erst einmal richtig kontrolliert und verarbeitet werden, bevor man zum Pass oder zum Schuss ansetzt. Dank solcher realistischer Tempobremsen kommt ein angenehmes Spielgefühl auf. PES 2020, das in diesem Jahr mit dem etwas merkwürdigen Zusatz "eFootball" vertrieben wird, braucht keine ständigen Torraumszenen, um zu unterhalten. Schon das bloße Passen des Balles macht Spaß, weil es sich so gewichtig anfühlt.

Geholfen hat bei der Entwicklung der Fußballprofi Andrés Iniesta, der den Spätherbst seiner Karriere in der japanischen Liga verbringt, praktisch bei Konami um die Ecke. Iniesta hat bei der Entwicklung des neuen Dribbel-Systems mitgewirkt. Das sogenannte "präzise Dribbling" steuert man nun, indem man den rechten Stick in eine Richtung gedrückt hält, normales Dribbeln funktioniert weiter mit dem linken Stick. In den ersten Spielrunden ist das eher verwirrend: Die Bewegung mit zwei verschiedenen Analogsticks ist nicht gerade intuitiv. Die schnellen Tempowechsel, mit denen man seine Gegenspieler in PES 2019 im Staub lassen konnte, klappen beim Anspielen nicht mehr so verlässlich. Das braucht vielleicht mehr Eingewöhnung.

Pro Evolution Soccer 2020 (6 Bilder)

(Bild: Konami)

Trotzdem spielt sich PES 2020 einfach wunderbar rund. Wenn Lionel Messi den Ball hat, spürt man am Controller die Dribbelstärke und Explosivität des Ausnahmekickers. Mit Bayerns Thiago kann man dagegen elegant die Bälle verteilen. Die Charakteristika verschiedener Spielertypen bringt PES 2020 gut auf den Platz, zumal die Mitspieler sich nun passender auf den Ballführer einstellen: Einem Dribbelkönig wie Messi gewähren sie Platz, während sie sich aggressiv für ein Zuspiel positionieren, wenn ein Spielmacher den Ball hat. Nach wie vor hat PES eine enorme taktische Tiefe: Jederzeit kann man mit Taktik-Kniffen wie etwa Flügelwechseln oder voranstürmenden Abwehrspieler auf die Strategie des Gegners reagieren.

Leider wird man von größeren und kleineren Macken ab und zu aus dem tollen Spielfluss von PES 2020 gerissen. Die Spielermodelle etwa sehen statisch richtig gut aus, in Bewegung halten sie der kritischen Nahaufnahme aber nicht stand: Trikots sind eckig und bewegen sich, als bestünden sie aus Pappkartons. Und die eigentlich richtig gut aussehenden Spielergesichter entgleisen zu Halloween-Masken, sobald sie Emotionen rüberbringen sollen.



Gerade beim Torjubel fällt das auf, zumal die Animationen hier extrem steif aussehen. Das ist ein merkwürdiger Kontrast zu den schön flüssigen Spielanimationen. Flanken, Pässe und Schüsse sind erstklassig animiert. Wenn ein Spieler den Ball auf die Nase geschossen bekommt, fällt er auch schonmal mit Händen vor dem Gesicht zu Boden. Das wirkt alles sehr glaubhaft, bis dann auf wieder eine hölzerne Torhüterparade für gehobene Augenbrauen sorgt. Diese Unbeständigkeit trübt das Gesamtbild leider. Die Kommentatoren konnten wir noch nicht hören, traditionell sind sie aber so schlecht, dass man sie besser komplett abstellt.

Außerdem wird PES auch in diesem Jahr sein Lizenzproblem nicht los. Auf der Gamescom-Präsentation zeigt Konami, mit welchem Aufwand Stadien und Spielergesichter gescannt werden. Jede gewonnene Lizenz muss sich für die Entwickler anfühlen wie ein Triumph. Die lizenzierten Fußballschauplätze sehen auch uneingeschränkt toll aus, aber das sind eben vereinzelte Farbtupfer. Die große Masse an relevanten Trikots und Stadien ist eben doch noch generisch – anders als bei Konkurrent FIFA, der üppig mit Lizenzen ausgestattet ist.

Aus Deutschland sind in diesem Jahr nur der FC Bayern und Schalke 04 voll lizenziert. Die Dortmund-Lizenz aus dem vergangenen Jahr hat Konami wieder verloren, auch die Champions-League-Lizenz liegt bei FIFA. Aus der Premier League sind wohl nur Arsenal und Manchester United voll dabei. Mehr Glück haben Fans der italienischen Serie A und der französischen Ligue 1, die mit allen Lizenzen in PES 2020 vertreten sind.

Die auf der Gamescom gezeigte Spielversion entspricht laut Entwicklern der Demo, die seit Ende Juli für PC, Xbox One und Playstation 4 verfügbar ist. Wer Interesse an Fußballsimulationen hat, sollte die Demo ausprobieren – zumindest für ein paar Runden lohnt sich das auf jeden Fall. Zur finalen Version sind laut Konami keine Änderungen beim Gameplay mehr zu erwarten, lediglich Spielergesichter und -Frisuren könnten sich noch ändern.

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(Bild: heise online / wie)

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(dahe)