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PGP-Erfinder: "Ich dachte nicht, dass es so schlimm kommen würde."

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Der Autor der Verschlüsselungssoftware Pretty Good Privacy (PGP) ist besorgt über das immense Ausmaß der Überwachung."Die Überwachung ist schlimmer als jemals zuvor und man bekommt das Gefühl, alles was wir tun, kann beobachtet werden", sagte Phil Zimmermann in einem Interview mit GigaOm. "Ich glaube nicht, dass man da nur mit Verschlüsselung noch was richten kann." Man müsse den US-Kongress und die Öffentlichkeit mobilisieren. Auch die Anbieter der Internetdienste könnten Druck ausüben. Zimmermann ist auch einer der Gründer von Silent Circle, dem Unternehmen, das vergangene Woche kurz nach Lavabit den eigenen sicheren E-Mail-Dienst dicht gemacht hatte.

Phil Zimmermann

(Bild:  Matt Crypto )

Als die größte Gefahr für die Privatsphäre bezeichnete Zimmermann das Mooresche Gesetz. Alle 18 Monate verdoppele sich die Möglichkeit von Computern, uns zu überwachen. Zwar bräuchten alle großen Staaten einen Geheimdienst, aber wenn sich dieser gegen die eigene Bevölkerung richte, sei dies schlecht für die Demokratie. "Die NSA hat eine Aufgabe, wir brauchen die NSA", sagte Zimmermann. Doch habe niemand an die Folgen gedacht, das Internet zu überwachen und "alles, was passiert, in eine riesige Datenbank zu stecken". Das sei "technisch gesehen toll, aber ein Alptraum für den Datenschutz".

Den E-Mail-Dienst habe Silent Circle eingestellt, da man ihn nicht betreiben konnte, ohne die Schlüssel zu behalten. Die hätte man aber herausgeben müssen, wenn Behörden das verlangt hätten. Um zu zeigen, wie ernst man es mit dem Datenschutz halte, habe man den Dienst deswegen lieber ganz abgeschaltet. Bei den anderen angebotenen Diensten für Mobilgeräte würden die Schlüssel dagegen beim Nutzer bleiben und deswegen seien sie von dem Schritt nicht betroffen.

Für die Zukunft forderte er alle dazu auf, mehr zu tun, um die Politik, die die Anschläge vom 11. September 2001 nach sich gezogen habe, zurückzudrängen. Zynismus sei aber der falsche Weg, denn er wirke lähmend. Eine wesentlich deutlichere Warnung hatte Ladar Levison, der Gründer von Lavabit, gegenüber Forbes geäußert. Er nehme erst einmal eine Pause von E-Mails und "wenn Sie über E-Mails wüssten, was ich weiß, würden Sie sie auch nicht nutzen." (mho)

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