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PISA: Meister im Daddeln statt beim Arbeiten

Allen Förderprogrammen und vollmundigen Forderungen zum Trotz: Computer werden in deutschen Schulen deutlich seltener genutzt als in allen anderen Industrienationen. Die deutschen Jugendlichen haben zwar ein großes Interesse an Computern, aber vergleichsweise wenig Erfahrungen, lautet eine der ernüchternden Erkenntnisse aus der OECD-Studie PISA. An der bisher umfassendsten und differenziertesten Vergleichsuntersuchung nahmen im Frühsommer 2000 weltweit rund 180.000 15-jährige Schüler aus 32 Staaten teil, darunter mehr als 5000 Schüler aus 219 Schulen aller Schularten in der Bundesrepublik Deutschland.

Noch stärker als in anderen Ländern konzentrieren sich deren Erfahrungen auf Computerspiele. Die Schulen -- vor allem die Gymnasien -- nutzen laut Studie ihre Chance zu wenig, geschlechtsspezifische Interessen- und Erfahrungsunterschiede auszugleichen und Jugendliche auch an moderne Arbeits- und Lernsoftware heranzuführen. Aber nicht nur in diesem Teilbereich, sondern auch insgesamt erwiesen sich die Kompetenzen der deutschen Schüler als unterdurchschnittlich, was bereits einiges Aufsehen in der Öffentlichkeit erregt und nicht nur die Kultusministerkonferenz aufgeschreckt hat.

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Schwerpunkt der Untersuchung war vor allem die Lesekompetenz, daneben wurde aber auch die mathematische und naturwissenschaftliche Grundbildung der 15-Jährigen erfasst. Die Schere zwischen leistungsstarken und -schwachen Schülern klafft in Deutschland deutlicher auseinander als in den anderen Staaten. Schwächen zeigten sich in allen untersuchten Bereichen insbesondere bei Aufgaben, die ein qualitatives Verständnis der Sachverhalte verlangen und nicht im Rückgriff auf reproduzierbares Routinewissen gelöst werden können.

PISA 2000 war nur der erste Zyklus einer groß angelegten Vergleichsuntersuchung. Bei PISA 2003 steht die Mathematik im Zentrum, PISA 2006 wird das Hauptaugenmerk auf die Naturwissenschaften richten. Die detaillierteren Ergebnisse einer nationalen Ergänzungsstudie ("PISA-E") zu PISA 2000, die in der Bundesrepublik Deutschland weitere rund 50.000 Schülerinnen und Schüler aus 1246 Schulen in die Untersuchung einbezogen hat, werden erst im kommenden Jahr veröffentlicht. (anm)

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