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PMRExpo: Vodafone auf dem Prüfstand

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Nachdem bereits der Verband der professionellen Mobilfunker auf der PMRexpo, der Leipziger Messe für den professionellen Mobilfunk, deutliche Kritik am integrierten Behördenfunk unter GSM geübt hatte, konnte Vodafone seine Pläne vortragen. Die Mobilfunker planen, im existierenden D2-Funknetz die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) in einer großen geschlossenen Benutzergruppe mit entsprechenden Zugriffsprivilegien kommunizieren zu lassen.

Möglich machen dies vor allem GSM-ASCI und ADCI (Advanced Speech Call Items, Advanced Data Call Items). Dieser Erweiterungen des herkömmlichen GSM, die laut Vodafone-Projektleiter Harald Holzer "zeitnah" zu einem möglichen BOS-Auftrag der Bundesrepublik standardisiert sein werden, machen aus dem einfachen Mobilfunk einen richtigen Polizeifunk. Mit dem eigens für das deutsche Angebotsverfahren entwickelten EMLPP (Enhanced Multi-Level Precendence an Pre-Emption) bekommen etwa Polizeibeamte sofort eine Verbindung zu ihrer Leitstelle, auch wenn alle Kanäle belegt sind, erklärte Holzer. Mit GPRS und seinen 53,6 Kbit/s sei man beim immer wichtiger werdenden Datenfunk wesentlich schneller als die Konkurrenten Tetra (7,2 Kbit/s) und Tetrapol (4,6 Kbit/s), und mit einem eigenen SMS-Server könne jede Leitstelle das geforderte Paging von Feuerwehrleuten über herkömmliche Mobiltelefone abwickeln.

Selbst für den von Sicherheitskräften geforderten Direct Mode, bei dem Funkgeräte bei Netzausfall oder widrigen Empfangsbedingungen direkt miteinander kommunizieren können, habe man die einfache Lösung, mit Dual-Mode-Geräten die entsprechenden Verbindungen über den eingebauten Tetra-Teil eines BOS-Handys abzuwickeln -- ein entsprechender Prototyp von DeTeWe wurde am Stand von Vodafone als Messeneuheit präsentiert. Was nach Holzer bleibt, ist die grundsätzliche Erwägung, ob das Eigentum am Netz wichtig ist zur Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit. Mit Blick auf angemietete Festnetzanschlüsse der Polizei oder geleaste Fahrzeuge bei der Feuerwehr sei die Frage schon beantwortet.

In der mit weiteren Referaten angereicherten Diskussion über GSM-ASCI und das Vodafone-Angebot, das mit 2,3 Milliarden Euro deutlich unter den 4 bis 7 Milliarden der anderen Lösungen liegt, traten in Leipzig die Differenzen zu Tage. So wurde die Frage nicht beantwortet, ob böswillige Elemente mit einer DDOS-Attacke die Ressourcen eines Netzes oder einer Funkzelle blockieren können, wenn sie Notrufe en masse absetzen. Nicht eins war man sich darüber, ob die im erweiterten GSM-Netz mögliche End-to-End-Verschlüsselung auch dann noch sicher ist, wenn eine Leitstelle zwischen den Enden eingeschaltet ist.

Die Sicherheit stand schließlich im Fokus des dritten Anwärters auf den Behördenfunk-Auftrag, Tetrapol. Felix Wiederspahn von der Firma EADS schaute in die Zukunft, in der das gesamte System auf IP-Basis kommuniziert. Mit Tetrapol2004.IP habe man ein integriertes Daten- und Sprachnetz, das mit den Routing-Fähigkeiten von IP-basierter Kommunikation eine unerreichte Ausfallsicherheit biete. Wenn der "Faktor Mensch" ausreichend trainiert sei und die Antivirentools stets auf dem neuesten Stand seien, könne man vom sichersten aller BOS-Netze sprechen, so Wiederspahn.

Die PMRexpo 2004 zeigte Fortschritte in der Technik und Stagnation in der Politik. Der Referent des Bundesinnenministeriums passte angesichts des nahenden Teilnahmewettbewerbs, der zum Jahresende beginnen soll. Er wurde von einem Polizeigewerkschafter vertreten, der schilderte, wie Kollegen in den Niederlanden oder Polen ihren Digitalfunk bedienen, während die deutsche Polizei zu ihren Antiquitäten greifen muss. Bis zur endgültigen Ablösung des analogen BOS-Funks werde die alte Technik deutlich teurer sein als jede digitale Lösung. Acht Jahre nach dem auslösenden Beschluss von Schengen sei neuer Schwung gefragt. Da konnten alle professionellen Mobilfunker nur applaudieren. (Detlef Borchers) / (anw)