"PR#6": 30 Jahre Apple ][

Im April 1977 stellten Apple-Gründer Steve Jobs und Steve Wozniak den ersten erfolgreichen Personal Computer der IT-Geschichte vor.

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Von
  • Volker Briegleb

] So meldet sich einer der ersten erfolgreichen Personal Computer bei seinem Benutzer. Am 16. und 17. April 1977 präsentierten Steve Jobs und Steven Wozniak auf der ersten West-Coast-Computer-Messe in San Francisco den Apple II. Der kompakte Rechner des noch jungen Herstellers war nicht größer als eine elektrische Schreibmaschine und für den Einsatz im Büro oder zu Hause gedacht. Der Nachfolger des von Wozniak in der Garage zusammengelöteten Apple I wurde zum ersten Erfolgsmodell der gerade entstehenden PC-Industrie, dem einige Modell-Upgrades folgten. In Inneren des ersten Massenmarkt-tauglichen Apple-Rechners tickte ein MOS-6502-Prozessor mit 1 MHz Taktfrequenz. Ganze 4 Kilobyte RAM brachte die Maschine mit, die Programmierung erfolgte mit einem fest im ROM verdrahteten BASIC. Über eine Schnittstelle ließen sich Programme auf Audio-Kassetten speichern oder von dort zurückspielen. Im Vergleich mit dem ebenfalls in San Francisco vorgestellten Commodore PET war schon zu erkennen, dass Apple Wert auch auf das Design des Computers legte.

Ein Apple II mit Monitor und Floppy-Laufwerk

Das damals in Regenbogenfarben gehaltene Logo des Unternehmens wies auf eine wesentliche Fähigkeit des Apple II hin: Er konnte Farbgrafik darstellen. Als einen weiteren Vorteil sollten sich die von Wozniak durchgesetzten acht Karten-Slots erweisen, die eine Vielzahl von späteren Erweiterungen möglich machten. Der bei jüngeren Modellen auf 48 Kilobyte ausgebaute Speicher ließ sich mit der so genannten Language Card noch einmal erweitern. Die von Microsoft eingeführte Z80-Prozessor-Karte versetzte den Apple II in die Lage, für das Betriebssystem CP/M geschriebene Anwendungen wie dBase II oder Wordstar zu verarbeiten. Auch einen Pascal-Interpreter gab es für den Vorfahren des Macintosh. Zusammen mit dem ersten zunächst nur für den Apple erhältlichen Kalkulationsprogramm VisiCalc bildeten diese Programme eine leistungsfähige Bürosoftware. Damit erreichte der Apple II im Laufe der 80er-Jahre eine weite Verbreitung in US-amerikanischen Bildungseinrichtungen.

Spätestens mit dem 1978 eingeführten Disketten-Laufwerk, dessen Controller üblicherweise in den sechsten der acht Erweiterungsschlitze gesteckt wurde, und dem später abgelösten Apple DOS kam auch richtig Spaß auf den Heimrechner. Die 5,25-Zoll-Floppies wurden mit dem "PR#6"-Befehl angesprochen und ermöglichten den Zugriff auf ein steigendes Angebot kommerzieller Software. Mit "Leisure Suit Larry" und "Roger Wilco" gaben Prominente aus der Welt der Computerspiele auf dem Apple ein frühes Debüt. Auch das Problem der "Killerspiele" ist nicht wirklich neu: Schon Mitte der Achtziger trieben böse Menschen ihr Unwesen auf Schloss Wolfenstein. Grafisch hinkt die Apple-II-Variante dem heutigen Standard aber etwas hinterher.

Nach einigen Modell-Updates (II+, IIe, IIc, IIgs) war erst 1993 endgültig Schluss für die populäre IIer-Serie, mit der Apple lange den PC-Markt dominiert hatte. Rund 2 Millionen Originalrechner sollen verkauft worden sein, die zahlreichen Kopien und Clones nicht eingerechnet. Trotzdem legte das 1981 eingeführte Konkurrenzprodukt von IBM den Grundstein für den bis heute dominanten PC-Standard. Apple dagegen hatte mit den diversen Nachfolgern des bereits 1984 eingeführten Macintosh nicht immer den gleichen Erfolg. Nach Steve Jobs Rückkehr ging es mit dem iMac und später dem iPod wieder aufwärts. (vbr)