Menü

"PRISM auf Steroiden": Totalüberwachung der Olympischen Spiele in Sotschi geplant

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 229 Beiträge
Von

Athleten und Zuschauer der kommenden Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi sollen so umfassend überwacht werden wie bei keinen Spielen zuvor. Das gehe aus Dokumenten zu Plänen des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB hervor, berichtet der britische Guardian. Diese seien von russischen Journalisten zusammengestellt worden. Der FSB wolle dafür sorgen, dass ihm keine Kommunikation der Athleten und Zuschauer während der Spiele entgehe.

Die Dokumente enthielten unter anderem technische Spezifikationen, Ausschreibungen der Regierung und Angebote von russischen Telekommunikationsfirmen, aus den sich laut Guardian schließen lasse, moderne Telefon- und Internetüberwachungstechnik solle dafür sorgen, dass der FSB jedes Gespräch und jeden Datenverkehr belauschen kann. So könne er die Kommunikation per E-Mail, in sozialen Netzwerken oder per Chat auch per "Deep Packet Inspection" nach bestimmten Stichwörtern absuchen.

Nach dem russischen Lauschgesetz SORM sind die Internetprovider verpflichtet, dem Geheimdienst eine Echtzeitschnittstelle einzurichten. Das FSB habe das SORM-Überwachungssystem seit 2010 ausgebaut, um dem zu den Olympischen Spielen voraussichtlich stark ansteigenden Datenverkehr gerecht zu werden.

Der Guardian zitiert den Professor Ron Deibert, Direktor des Citizen Lab, der den Ausbau des SORM-Systems als "PRISM auf Steroiden" bezeichnet. Der Umfang der russischen Überwachung sei vergleichbar mit den Aktivitäten der NSA. Während die Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden aber gezeigt hätten, dass die Kontrollen in den USA zu schwach seien oder umgangen wurden, sei SORM integraler Bestandteil der Infrastruktur. Angesichts der derzeitigen Entwicklung in Russland beispielsweise im Umgang mit Homosexualität seien die Überwachungs- und Verfolgungsmöglichkeiten bedenklich. (anw)