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PSC 2019: KI ist auch nicht mehr als jeder andere Technik-Hype

Während globale Führungskräfte auf der Münchner Sicherheitskonferenz das ganz große Rad drehen, beschäftigt sich die SeCon der Piraten mit dem KI-Hype.

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PSC 2019: KI ist auch nicht mehr als jeder andere Technik-Hype

(Bild: Machine Learning & Artificial Intelligence / Mike MacKenzie / cc-by-2.0))

Mit Künstlicher Intelligenz und ihren Folgen für die Industriegesellschaft hat sich neben den Sicherheitspolitikern auf der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) auch die alternative Pirate Secon befasst, die zum fünften Mal stattfand. Getragen von den europäischen Piratenparteien laden dabei die Bayerischen Piraten zu einem Austausch ein. Neben ihren Kernthemen Sicherheit und Datenschutz befassten sich die Piraten in diesem Jahr auch intensiv mit KI und Szenarien für einen Demokratie-freundlichen Einsatz.

KI stellt das auf die Massenfertigung und Skaleneffekte getrimmte Industriezeitalter in Frage. Abgesehen von der Furcht, hinter die Konkurrenz zurückzufallen, sei es diese grundsätzliche Umwälzung, die Regierungen rund um den Globus zur Abfassung nationaler KI-Programme veranlasst, sagte Chris Boos, Gründer der seit 1995 in der KI-Entwicklung aktiven Frankfurter Arago, auf der PSC 2019.

Der Hype ums maschinelle Lernen entspreche anderen Techno-Blasen, sagte Boos vor den versammelten Piraten. Dem irrigen Glauben, dass eine einzelne Technologie die Lösung aller Probleme bringe, folge der Absturz. Die KI-Forschung der 1960er- und 1970er-Jahre habe einen solchen Zyklus schon hinter sich. Maschinelles Lernen, erläuterte Boos, sei aber nur ein einzelner Baustein bei der Programmierung von Maschinen, um ihnen Reflexe, Kommunikation und Rationalität beizubringen.

Dass bei KI die großen Plattformen an klassischen Großunternehmen vorbeiziehen, könne man denen nicht vorwerfen, meint Boos. Autonomes Fahren und die damit verbundenen Effizienzgewinne führen zu weniger Autos. Das habe das Interesse der Autobauer daran viele Jahre gebremst. "Wir sind schlicht zu langsam und sollten dankbar sein für den Tritt, damit wir uns von unseren Ärschen erheben und dem Wettbewerb stellen."

Demokratie-freundliche Nutzungen von KI forderte die Juristin und Theodor-Heuss-Preisträgerin Yvonne Hofstätter. Hofstätter entwarf ein düsteres Szenario des KI-Kriegs zwischen den USA und China, bei dem demokratische Werte auf der Strecke bleiben könnten. Europa fehle es trotz aller KI-Strategie-Papiere weiterhin an einem echten Gegenentwurf zu Militär- und Kontroll-getriebenen Konzepten und guten Ideen, wie KI gut eingesetzt werden könnte. Sinnvoll könnte beispielsweise die Abwehr von Angriffen auf eigene Systeme sein. (vbr)