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Pagefair: Mobile Adblocker verbreiten sich rasant

Nach Berechnungen des irischen Werbedienstleisters Pagefair sind bereits auf 400 Millionen Smartphones Werbeblocker installiert – doppelt so viele wie auf dem Desktop.

Adblock Plus

(Bild: dpa, Andrea Warnecke/Illustration)

Auf mehr als 400 Millionen Smartphones weltweit ist bereits ein Werbeblocker installiert. Dies hat der irische Werbe-Dienstleister Pagefair in einer aktuellen Studie zum Adblocking ermittelt. Dies entspricht mehr als einem Fünftel der weltweit verbreiteten Smartphones. In einer vorangegangenen Studie hatte Pagefair die Zahl der Adblocker auf dem Desktop auf knapp 200 Millionen Installationen weltweit beziffert.

In Europa und Amerika sind die mobilen Adblocker noch relativ wenig verbreitet: Hier gibt es nach den Berechnungen zusammen gerade einmal 14 Millionen aktive Nutzer, davon 1,1 Millionen in Deutschland. In Asien und den Pazifik-Staaten liegt der Anteil der Werbeverweigerer jedoch wesentlich höher: 36 Prozent der Smartphone-Nutzer blockieren hier Werbung zumindest im Browser. So rechnet Pagefair mit 159 Millionen aktiven Werbeblockern in China, 122 Millionen in Indien und 38 Millionen in Indonesien. Insgesamt hat die Zahl der Installationen demnach im vergangenen Jahr weltweit um 90 Prozent zugenommen.

Die Verbreitung von Werbeblockern liegt nicht unbedingt an einer bewussten Entscheidung von Nutzern. So hat der vom chinesischen Handelskonzern Alibaba herausgegebene und besonders in Asien beliebte UC Browser von Hause aus einen Adblocker aktiviert. Auch Hersteller wie ASUS installieren neuerdings Adblocker auf ihren Geräten. Gerade in China sind aber auch Apps verbreitet, die den kompletten Internettraffic eines Smartphones über ein VPN oder einen HTTP-Proxy umleiten, der die Werbung entfernt. So werden nicht nur Anzeigen im Browser unterdrückt, sondern auch in anderen Apps. Apple und Google lassen solche Apps in ihren App-Stores nur eingeschränkt zu.

Noch relativ wenig Einfluss hatte die Aufsehen erregende Entscheidung Apples, Content-Blocker auf iOS zuzulassen. Zwar gibt es nach Zählung Pagefairs nun 229 Werbeblocker im App Store. Diese wurden aber zusammen genommen gerade einmal 4,5 Millionen Mal installiert. Zum Vergleich: 30
Millionen Firefox-Nutzer haben einen Adblocker installiert. Die Zahl der in westlichen Ländern eingesetzten mobilen Werbeblocker könnte jedoch rasant steigen. So hat der britische Provider Three für Juni einen Testlauf angekündigt, bei dem Werbung direkt aus dem Datenstrom der Kunden gelöscht werden soll.

Die zunehmende Verbreitung von Adblockern sorgt auch für Gegenreaktionen der Betreiber von Websites, die ihre Einnahmen gefährdet sehen. Das Computer Laboratory der Universität von Cambridge und mehrere andere Universitäten fanden auf 6,7 Prozent der 5000 meistbesuchten Websites Skripte, die Adblocking-Techniken entdecken und gegebenenfalls aushebeln sollen.

Zudem stellten die Forscher auch ein gegenseitiges Wettrüsten von Adblockern und Anti-Adblockern fest: So wurde die Hälfte der gefundenen Skripte zumindest von einem populären Adblocker wieder herausgefiltert. Zwar gäben sich beide Seiten in der Öffentlichkeit konsensorientiert und stellten den Einsatz der Techniken als ethische Frage dar. "In der Realität aber greifen beide Seiten zu extremen Maßnahmen, um ihr jeweiliges Ziel zu erreichen", schreiben die Forscher. (Torsten Kleinz) / (axk)

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