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Pakistan: Todesstrafe für Facebook-Eintrag verhängt

Wegen einer angeblich "gotteslästerlichen" Äußerung ist ein Mann in Pakistan zum Tode verurteilt worden. In dem vornehmlich muslimischen Land gehen die Behörden verstärkt gegen Blasphemie vor, während sich auch immer wieder Lynchmobs bilden.

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Pakistan: Todesstrafe für Facebook-Eintrag verhängt

In Pakistan ist am Wochenende ein 30-jähriger Mann zum Tode verurteilt worden, weil er auf Facebook den Propheten Mohammed beleidigt haben soll. Das ist die bislang härteste Strafe für Blasphemie in dem größtenteils muslimischen Land, berichtet der Guardian. Die nun verhängte Todesstrafe sei Teil eines seit längerem andauernden stärkeren Vorgehens gegen Einträge auf sozialen Medien, ergänzt das Blatt. Der pakistanischen Zeitung Dawn zufolge wurde der Verurteilte nicht nur unter einem Anti-Blasphemie-Gesetz, sondern auch unter einem Anti-Terror-Gesetz angeklagt, das die Anstachelung zum Hass bestraft.

Der Angehörige der schiitischen Minderheit in Pakistan war auf Facebook mit einem – verdeckt schreibenden – Mitarbeiter der Anti-Terror-Behörde in einen Streit über religiöse Fragen geraten, erläutern die Zeitungen. Dabei habe er sich abwertend über prominente sunnitische Religionsführer sowie Mohammed und dessen Ehefrauen geäußert. Dafür gab es nun die härteste Strafe, die in dem Land bislang für ein "Cybercrime" verhängt wurde, schreibt Dawn. Bislang habe Pakistan aber noch niemanden auch wirklich für Blasphemie hingerichtet, auch wenn dafür immer wieder die 2014 wieder eingeführte Todesstrafe verhängt wird. Für andere Vergehen wurden vergangenes Jahr mindestens 87 Todesurteile in dem Land vollstreckt, hat Amnesty International gezählt.

"Gotteslästerer" ermordet

Im Mai hatte Human Rights Watch darauf hingewiesen, dass die Pakistan Telecommunication Authority (PTA) verstärkt gegen angeblich "blasphemische Inhalte" in sozialen Netzwerken vorgeht. Nutzer seien beispielsweise mit einer massenhaft verschickten SMS vor der Verbreitung solcher Inhalte gewarnt worden. Außerdem sollten sie solche Einträge den Behörden melden. Zu dieser Zeit wurden auch fast 13.000 Webseiten gesperrt, weil darüber angeblich "gotteslästerliche Inhalte" verbreitet würden. In dem Land bilden sich immer wieder Mobs gegen vermeintliche Gotteslästerer, aus denen heraus sogar Morde verübt werden. (mho)

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