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Pannenscanner Körperscanner?

Der von großer Aufmerksamkeit begleitete Test von Körperscannern am Flughafen Hamburg ist am Freitag plangemäß beendet worden. Nach Auskunft des Bundesinnenministeriums haben 793.000 Passagiere die neue Technik kennengelernt. Über die Ergebnisse des Feldtests soll demnächst ein Abschlussbericht erscheinen. Ein vertraulicher Vorabbericht legt nahe, dass die Technik noch viel zu fehlerhaft ist.

In dem Bericht zum Hamburger Feldtest, der der Welt am Sonntag zugespielt wurde, heißt es, dass die getesteten Scanner bei 70% der Passagiere Alarm schlugen und damit eine Nachkontrolle der Passagiere notwendig wurde. In 35 % aller Fälle wurde ein Mehrfachalarm ausgelöst, der zu einer besonders intensiven Kontrolle des Passagiers führt, die über das übliche Abtasten mit einem Handdetektor hinausgeht. In 10% aller Fälle wurde den Benutzern die Schuld am Versagen der Technik gegeben: "Durch eine nicht optimale Körperhaltung beziehungsweise Bewegungen während des Scanvorganges wurden circa zehn Prozent vermeidbare Alarme ausgelöst", heißt es im vertraulichen Sachstandsbericht, der auch Kritik an L3 Communications enthält, dem Hersteller der Körperscanner. Er habe zugesagte Verbesserungen nicht eingehalten. L3 hatte zunächst Nacktscanner geliefert, die den Körperbau der Passagiere eindeutig abbildeten, und später die Software so verbessert, dass dem Bedienpersonal eine symbolische Darstellung der untersuchten Person gezeigt wurde, mit Hinweisen, wo ein verdächtiger Gegenstand am Körper getragen werden könnte.

Diese Hinweisalarme sind den Unterlagen nach zu urteilen einerseits viel zu hoch, andererseits ungenügend. So sollen die Scanner nicht in der Lage sein, gestiefelte Reisende zu untersuchen. Mehrschichtige Kleidung und Falten in Röcken und Blusen sollen für die hohe Alarmierungsquote verantwortlich sein. Der vertrauliche Bericht gibt sich jedoch positiv gestimmt und hofft auf Verbesserungen durch den Hersteller. Sofern diese erfolgen, seien die Körperscanner den herkömmlichen Metalldetektoren überlegen und besser in der Lage "zukünftigen Gefährdungslagen" zu begegnen.

Ein Termin für die Veröffentlichung des offiziellen Abschlussberichtes durch das Innenministerium steht noch aus. Möglicherweise wird die sechste Wissenschaftskonferenz Future Security den Rahmen für den Bericht abgeben. Sie findet vom 5. bis 7. September in Berlin statt und beschäftigt sich neben der aktuellen Forschung zu Körperscannern allgemein mit der Detektion gefährlicher Stoffe. (Detlef Borchers) / (hos)

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