Papst predigt Handy-Verzicht: "Es gibt keinen Herz-Bypass für dieses Übel"

Franziskus meint, wir würden via Handy beleidigen und selbst mit leeren Worten überschwemmt. Das lässt sich wohl mit "trollen" übersetzen.

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Papst predigt Handy-Verzicht: "Es gibt keinen Herz-Bypass für dieses Übel"

Franziskus auf dem Petersplatz. Anbei Menschen, die sich noch nicht von ihrem Handy lösen konnten.

(Bild: Vatican News)

Von
  • Andreas Wilkens

"Heute beleidigt man und das hört sich dann an, als ob man jemandem 'einen schönen Tag noch' wünscht", sagte Papst Franziskus anlässlich des Aschermittwochs während der Generalaudienz auf dem Petersplatz. Zuvor riet das Oberhaupt von schätzungsweise 1,3 Milliarden Katholiken dazu, die Fastenzeit als Gelegenheit zu nutzen, um sich vom Handy zu lösen. Dies bedeute auch, sich von "bösen Worten" zu trennen. Der Papst erinnerte daran, dass es in der heutigen Zeit sehr verbreitet sei, andere mit Worten anzugreifen.

Diese Aussage – wie seit Jahrhunderten im Vatikan üblich recht verklausuliert ausgedrückt – interpretieren Medien wie die Nachrichtenagentur Reuters, Franziskus meine, die Menschen sollten wenigstens in den 40 Tagen bis Ostern aufs Trollen in sozialen Medien verzichten, ohne dass er die Wörter selbst in den Mund nahm.

"Wir werden mit leeren Worten, mit Werbung und hinterhältigen Botschaften überschwemmt", sagte Franziskus laut Vatican News. "Wir sind es gewohnt, alles über jeden zu hören, und wir riskieren, in eine Weltlichkeit abzugleiten, die unsere Herzen verkümmern lässt. Und es gibt keinen Herz-Bypass, um dieses Übel zu heilen! Da hilft nur Schweigen."

In seiner Kindheit habe es bei ihm zu Hause kein Fernsehen gegeben, sagte der Papst. "Wir hatten stattdessen in der Fastenzeit die Gewohnheit, kein Radio zu hören. Die Fastenzeit bedeutete für uns Wüste." Es sei die Zeit, auf etwas zu verzichten, sich vom Handy zu trennen und sich mit dem Evangelium zu verbinden. Es sei die Zeit, auf nutzlose Worte, Geschwätz, Klatsch und Tratsch zu verzichten. Dabei sprach Franziskus von einer "gesunden Ökologie des Herzens". Fasten bedeute nicht nur, Gewicht zu verlieren, sondern auch sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

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(anw)