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Patentstreit um Cloud-Gaming

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Die britische Firma T5 Labs streitet mit dem US-Anbieter OnLive um die Grundsatzfrage, wer das Prinzip des Cloud-Gamings erfunden habe. OnLive hat seinen Cloud-Dienst im vergangenen Jahr in den USA gestartet, liefert inzwischen kleine Settop-Module zum Anschluss an Fernseher aus und will noch in diesem Jahr erste Server in Europa einrichten. Der Streaming-Service verspricht grafisch anspruchsvolle Spiele in Konsolenqualität; die Spiele laufen auf Servern in verteilten Rechenzentren. Beim Aufruf von einem PC streamt der Dienst die Audio- und Videoanteile des Spiels über das Internet und greift Maus- und Tastatureingaben des Benutzers vom Client ab.

Anfang Dezember hatte das US-Patentamt OnLive das Patent Nummer 7.849.491 zugesprochen, in dem die grundsätzliche Funktionsweise der Grafikkompression und der latenzarmen Netzwerkübertragung beschrieben wird. Eingereicht hatte es OnLive-Chef Steve Perlman im Dezember 2002.

Doch Graham Clemie, Chef des britishen Start-ups T5 Labs, will den Amerikanern in die Suppe spucken. Clemie hatte mit seinem Partner Dedrick Duckett ebenfalls ein Patent in Großbritannien eingereicht, das eine Kompressionsmethode für das Cloud-Gaming beschreibt – allerdings bereits am 1. März 2002, neun Monate vor Perlman. Das Patent Nummer 20.050.104.889 unterscheidet sich jedoch in einigen Punkten: T5 nutzt zur Beschleunigung der Videokompression Geometrie-Informationen aus dem Spiel, anhand derer es den Hintergrund von den sich vorne bewegenden Objekten trennt. Dadurch ist eine wesentlich effizientere Kompression möglich als bei OnLive, die einfach die fertig gerenderten Bilder aus dem Framebuffer abgreifen. T5 gibt an, dass ihre Kompression von einer Standard-GPU übernommen werden könne. OnLive setzt hingegen spezielle Chips ein, die die Bilder auf ihren Server-Farmen rasend schnell eindampfen. OnLive bewirbt seine Methode mit dem Hinweis, dass nur geringe Anpassungen eines Spiels nötig seien, um es auf den Cloud-Farmen laufen zu lassen.

T5 überlegt nun, rechtliche Schritte gegen die Erteilung des Patentes an OnLive zu unternehmen, erklärte Clemie gegenüber dem US-Magazin Venturebeat. Es geht dabei um ein Milliardengeschäft und die Frage, wer letztlich Lizenzgebühren von wem einstreichen kann. So investierte kürzlich der Handy-Hersteller HTC 40 Millionen US-Dollar in OnLive-Aktien, um die künftige Versorgung von HTC-Smartphones und Tablets mit Cloud-Spielen zu sichern. Den Börsenwert von OnLive schätzen Experten inzwischen auf 1,8 Milliarden US-Dollar. (hag)