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Paul Allens Seattle Seahawks gewinnen Super Bowl XLVIII

Sonntagabend durfte Microsoft-Gründer Paul Allen an einer speziellen Siegerehrung teilnehmen: Sein American-Football-Team hat die Super Bowl gewonnen.

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Die Vince Lombardi Trophy: Der Siegerpokal des Super Bowl, des Endspiels der US-amerikanische National Football League

(Bild:  BrokenSphere, Lizenz Creative Commons CC BY-SA 3.0 )

Die Seattle Seahawks haben Sonntagabend (Ortszeit) in New York die Super Bowl 2014 gewonnen. Mit 43:8 (22:0) besiegten sie die favorisierten Denver Broncos haushoch. Die Super Bowl ist die wichtigste Meisterschaft im American Football. Sie wurde zum 48. Mal ausgetragen, zum ersten Mal reüssierten die Seahawks aus dem Bundesstaat Washington.

Anschließend durfte auch deren Eigentümer, Paul Allen, die Siegestrophäe stemmen. Er bedankte sich für die Unterstützung der Fans. Der Microsoft-Mitbegründer hat die Seattle Seahawks 1997 "in Erfüllung meiner Bürgerpflicht" gekauft, wie er einmal sagte.

Der damalige Eigentümer wollte das Team samt Lizenz für die Teilnahme an der National Football League (NFL) nach Kalifornien verlagern. Das suchte Allen zu verhindern, aber nur unter einer Bedingung: Dem steuerfinanzierten Bau eines neues Stadiums. Die Bürger des Bundesstaates Washington, der keine Steuer auf Einkommen erhebt, sprachen sich in einer Volksabstimmung dafür aus. Allen kaufte die Seahawks und das Stadium wurde gebaut.

Mehr als 15 Jahre später haben die Seahawks das Ziel jeder NFL-Mannschaft erreicht: Den Gewinn der Super Bowl. Das Team hatte sich in der zurückliegenden Saison mit der besten Defensive, angeführt von Defensive Captain Red Bryant, hervorgetan, und schließlich für das Finale qualifiziert. Dort traf es auf die stärkste Offensiv-Mannschaft, die Denver Broncos. Sie wurde von dem erfahrenen Quarterback Payton Manning dirigiert.

In Amerika ist Manning ein Superstar. Fünfmal wurde er zum wertvollsten Spieler einer gesamten NFL-Saison gewählt, was sonst noch niemandem zuteil wurde. Vor sieben Jahren gewann er die Super Bowl XLI mit den Indianapolis Colts, vor vier Jahren musste er sich in der Super Bowl XLIV mit der gleichen Equipe den New Orleans Saints geschlagen geben.

Der gestrige Abend verlief katastrophal für Manning. Nach einem Kommunikationsfehler verfehlte er seinen ersten Ballkontakt und das eiförmige Spielgerät flog in die Endzone der Broncos. Dort konnte zwar ein Mitspieler Mannings den Ball einfangen, er verließ jedoch damit das Spielfeld. Das bedeutete nach nur zwölf Sekunden einen der seltenen Safetys und Seattle führte 2:0, ohne noch den Ball besessen zu haben. Es waren die schnellsten Punkte, die je in einer Super Bowl erzielt wurden.

Von da an dominierten die Seahawks das Geschehen und ließen im ersten Viertel nicht einmal einen neuen Ersten Versuch der Broncos zu. Zur Pause stand es 22:0.Nach Wiederbeginn dauerte es erneut nur zwölf Sekunden, bis die Seattle Seahawks jeden Zweifel an ihrem Sieg beseitigt hatten.

Wieder war ein Special Team Seattles erfolgreich, diesmal mit einem Kickoff-Return Touchdown durch Percy Harvin. Den Broncos gelang im weiteren Verlauf gerade einmal der Ehrentreffer. Ein Touchdown samt Two-Point-Conversion brachte acht Punkte zum Zwischenzeitlichen 36:8.

Zum wertvollsten Spieler des Abends wurde Seattle-Linebacker Malcolm Smith gewählt. Der Verteidiger hatte in der ersten Halbzeit einen Pass Mannings abgefangen und zu einem Touchdown verwertet. Zudem ergatterte er nach der Pause einen von den Broncos verlorenen Ball. Zu dem Zeitpunkt war das Spiel längst entschieden.

Dezember 1978: 11 der 12 ersten Microsoft-Mitarbeiter, einschließlich Paul Allen (unten rechts)

(Bild: Microsoft)

Paul Allens Investition hatte sich schon vor dem Gewinn der Super Bowl bezahlt gemacht. Laut Bloomberg waren Team und Lizenz zuletzt etwa sechs Mal so viel Wert wie der Kaufpreis von 1997. Der Wert der Microsoft-Aktie hat sich im gleichen Zeitraum gut verdoppelt.

Diese Firma hatte Allen 1975 gemeinsam mit Bill Gates in Albuquerque, New Mexico, gegründet. Auf dem berühmten "Familienfoto" aus dem Dezember 1978, das elf der damals zwölf Mitarbeiter zeigt, ist Allen rechts unten mit Brille und Vollbart zu sehen. Nachdem Albuquerque dem Unternehmen finanzielle Unterstützung verweigerte, zog Microsoft zum Jahresbeginn 1979 nach Bellevue, Washington, in die Nähe von Seattle. Der Rest ist Geschichte.

Im selben Jahr gewannen die Seattle SuperSonics die Basketballmeisterschaft NBA. Es sollte ein Vierteljahrhundert dauern, bis wieder eine Mannschaft aus der Stadt eine der großen US-Sportmeisterschaften für sich entscheiden konnte. Den Grundstein für den Erfolg hat Paul Allen gelegt.

Vom Großteil seiner Microsoft-Aktien hat er sich inzwischen getrennt, was ihm einen zweistelligen Milliardenbetrag eingebracht hat. Er spendet für gute Zwecke und investiert in Technologie, Rohstoffe, private Raumfahrt, Immobilien und eben Sport. Neben den Seattle Seahawks gehört ihm auch das NBA-Team Trail Blazers in Portland, Oregon. Zudem hält Allen einen Anteil am Fußballteam Seattle Sounders FC (Major League Soccer, MLS).

Sein größter Triumph ist jedoch weder wirtschaftlicher noch sportlicher Natur. 1983 wurde bei ihm ein Hodgkin-Lymphom diagnostiziert, woraufhin er Microsoft verließ. Allen besiegte die Krankheit.

2009 wurde bei ihm erneut Krebs im Lymphsystem festgestellt, diesmal ein diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom. Auch diese Krebsart hat statistisch recht gute Heilungschancen. (Daniel AJ Sokolov) / (jk)

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