Pedalbetriebener Internet-Anschluss

Die Jhai Foundation will das kleine laotische Dörfchen Ban Phon Kham mit vier Nachbardörfern per Wireless LAN vernetzen.

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Von
  • Monika Ermert

Die Jhai Foundation, gegründet von Laoten in den USA und von Vietnam-Veteranen, will das kleine Dörfchen Ban Phon Kham mit vier Nachbardörfern per Wireless LAN vernetzen. Monsunregen und Temperaturen von 40 Grad Celsius haben Lee Felsenstein und seine Kollegen von Jhai veranlasst, tropentaugliches Computer Equipment zu entwerfen und weil Elektrizität in den Dörfern völlig fehlt, wird geradelt. Felsenstein stellte das Projekt gestern vor Studierenden der Stanford University vor und musste sich eine Menge kritischer Fragen anhören.

Seit vier Jahren engagiert sich die Jhai-Stiftung in den Bereichen medizinische Versorgung, Bildung und Landwirtschaftshilfe in Laos. "Vor zwei Jahren haben die Leute in Ban Pon Kham gesagt, was wir brauchen, ist ein Telefon", sagt Felsenstein. Ohne die Möglichkeit, sich nach aktuellen Marktpreisen zu erkundigen, hätten sich die Reisbauern bislang auf gut Glück auf die Märkte aufgemacht. Angesichts der fehlenden Infrastrukturen entschied die Jhai Foundation sich für WLAN und VoIP, damit Ban Phon Kham und seine Nachbardörfer mit der 30 Kilometer entfernten Marktstadt Hong Ho kommunizieren können. Von der Relay-Station auf dem Krankenhaus in Hong Ho ist der Anschluss an Telefonnetz und Internet möglich.

Robust, möglichst zehn Jahre einsatzfähig, von der Dorfjugend selbst zu betreuen und durch Muskelkraft mit den notwendigen 7 Watt pro Computer plus 18 Watt pro LCD-Monitor zu versorgen -- das sind die Eigenschaften des Jhai-Computersystems. Bewusst haben sich Felsenstein und Kollegen für einen leicht ausklappbaren Rahmenaufbau entschieden. Kein Pentium, sondern nur ein 486-Prozessor soll wegen der Robustheit eingebaut werden, beim Bildschirm hat man vor allem auf den Stromverbrauch geschaut. "Eventuell können wir den an den ausgewählten Geräten sogar noch weiter drosseln", meint Felsenstein.

Die Frage, warum man statt Windows auf GNULinux als Betriebssystem setze und im übrigen auf für das Laotische angepasste Software, sei wohl eher rhetorisch, so Felsenstein. "Wenn ich mir Microsofts Geschäftsmodell so ansehe, dürften innerhalb der von uns angestrebten Zeit von zehn Jahren wohl mehrere Produktzyklen zu Ende gehen." Fürs WLAN setzt Jhai auf Cisco-Aironet-350-Karten. Der besondere Clou im Projekt ist allerdings das Power Bike, das die Jhai-Tüftler von einem Hersteller aus Indien beziehen, und zwar von der Rashron Energy and Auto Ltd. Wer surft, muss strampeln, damit die Batterie aufgefüllt wird. "Bei normalem Betrieb muss man nach unseren Schätzungen etwa halb solange fahren wie man den Computer nutzt", sagt Lee.

Ob die technischen Schwierigkeiten damit schon gelöst sind, bezweifeln viele in dem Projekt. Hohe Luftfeuchtigkeit und Monsunregen werde den Rechnern und vor allem auch den Relay-Stationen und Repeatern zusetzen, die rund um die Dörfer auf kleinen Hügeln und auf Bäumen installiert werden sollen. "Wird der Baum die zehn Jahre durchhalten", fragt einer der Studenten. Andere wollen wissen, ob die Idee vom E-Commerce mit den handgewebten Textilien überhaupt sinnvoll sei und ob solche Anschlüsse nicht auch für profanere Dinge, möglicherweise auch für Spam missbraucht würden. Felsenstein hat vorerst allerdings andere Sorgen. In den kommenden Wochen testet Jhai das Wireless-Setup in den Dörfern. Dann wird mit dem Transport der Computer begonnen.

Als Gesamtkosten für das Projekt veranschlagt Felsenstein 150.000 Dollar, der Voranschlag der Stiftung liegt bei 200.000 Dollar mit allen Fracht-, Versicherungs- und Übersetzungskosten. "Wegen der kleinen Stückzahl sind die Jhai-Computer mit rund 2500 Dollar noch recht teuer", sagt Felsenstein. Wenn das System sich bewährt, könnte es auch anderswo zum Einsatz kommen, laut einem Bericht im Economist interessieren sich bereits Gruppen aus Peru, Chile und Süd-Afrika für den Pedal-betriebenen Internetanschluss. (Monika Ermert) / (anw)