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Peer-to-Peer-Groupware Groove in neuer Version 1.2

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Groove Networks hat eine neue Version des Groupware-Tools Groove fertig gestellt. Die Firma wurde von Notes-Erfinder Ray Ozzie und einigen ehemaligen Mitarbeitern seiner Firma Iris Associates gegründet. Groove bietet ähnliche Funktionen wie die Lotus-Produkte Notes, Quickplace und Sametime, verzichtet aber auf eine zentrale Datenhaltung. Die Software arbeitet überwiegend mit gleichberechtigten Peers. Sie benötigt jedoch Directory- und Relay-Server, die eine asynchrone Kommunikation ermöglichen und als Treffpunkt für Clientrechner dienen, die sich gegenseitig nicht direkt erreichen können. Alle Daten werden in so genannten Spaces verwaltet, die auf jedem beteiligten Rechner redundant gespeichert werden. Die Kommunikation zwischen diesen Clients erfolgt stets verschlüsselt. Derzeit gibt es eine so genannte Preview-Version, die sich von der Vollversion vor allem durch die fehlende Rechteverwaltung unterscheidet. Diese Version wird kostenlos abgegeben; momentan gibt es noch keine Möglichkeit, die Vollversion direkt zu erwerben. Der Vertrieb von Groove Networks konzentriert sich derzeit auf Großkunden. Noch in diesem Quartal soll jedoch eine Möglichkeit geschaffen werden, die Vollversion über das Internet zu kaufen.

Groove Networks stellt die Preview Edition als Update und als vollständigen Download bereit. Die Änderungen gegenüber der Vorversion sind wenig offensichtlich und vor allem technischer Natur. So werden die Spaces nun in einem binären Format gespeichert; dies dient vor allem einer besseren Performance. Da vorhandene Spaces automatisch konvertiert werden, muss man beim ersten Programmstart nach dem Update einige Geduld aufbringen.

Als erste Neuerung fällt ins Auge, dass die Präsenz der anderen Teilnehmer nicht mehr allein durch grüne Punkte angezeigt wird, sondern dass sich neben einigen ein rotes Fragezeichen befindet. Dies deutet darauf hin, dass der Anwender in seinem Account mehrere Identitäten mit gleichem Namen angelegt hat. Durch eine Resolve-Option im Kontextmenü kann man diesen Konflikt lösen und die beiden Identitäten mit Aliasnamen unterscheiden. Die Konfliktbehandlung geht noch weiter: Es ist durchaus möglich, sich einen Namen zu geben, der bereits von einem anderen Teilnehmer verwendet wird; wichtig ist allein die kryptographische Signatur. Groove 1.2 warnt den Anwender nun, wenn er eine Nachricht von jemandem erhält, bei dem zwar eine Namensgleichheit, aber ein Widerspruch in der Signatur gegenüber dem lokalen Verzeichnis festgestellt wird. Die konnte man bisher auch prüfen, musste jedoch die Signaturen von Hand vergleichen.

Die Änderungen an der Benutzeroberfläche sind eher behutsam. Neu ist jetzt ein Indikator, der anzeigt, in welchem Umfang Groove aktuell Daten mit anderen austauscht. Einige Tools wurden darüber hinaus verbessert. So gibt es nun Ungelesen-Markierungen auch im Notepad. Das Sketch-Tool erhält ein Textwerkzeug.

Tools von Drittanbietern sind nach dem Update zum Teil nicht sofort lauffähig. Davon ist zum Beispiel das Pinboard von Cazebal betroffen, für das es mittlerweile ein Update gibt. Die Tatsache, dass ein Update der Plattform die Erweiterungen von Partnern in Schwierigkeiten bringt, ist auf den ersten Blick ziemlich beunruhigend; Hugh Pyle von Cazebal erklärt jedoch, dass er einige interne APIs verwendet hat, die noch nicht endgültig freigegeben waren. Man bekommt zum neuen Release auch ein neues Development Kit, das vom indischen Partner Ashok Hingorani wegen der sauberen APIs und zahlreicher Beispiele gelobt wird.

In Zukunft wird Groove vor allem die Integration in Microsoft-Umgebungen vorantreiben. So kann man bereits die Kontaktliste des MSN-Messenger für Einladungen nutzen. Microsoft-Office-Dokumente sollten direkt in Groove Spaces bearbeitet werden. Groove Networks hat dazu einen Artikel auf der Webseite veröffentlicht, der Parallelen zwischen Groove und .NET aufzeigt.

Was Groove fehlt, ist vor allem ein schlanker Client, der Präsenzinformationen und Instant Messaging liefert. Die aktuelle Version belegt schnell 40 MByte Speicher und trägt sich bei der Installation automatisch in den Windows-Autostart ein. Je nach Speicherausbau möchte man dieses Trumm nicht ständig mit sich herumschleppen. Und während in Groove 1.2 die automatische Installation zusätzlicher Tools verbessert wurde, fehlt weiterhin eine Deinstallationsroutine für diese Komponenten. (Volker Weber) /

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