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Pegida / Legida: Internet-Zeitung stellt Live-Berichterstattung nach Bedrohung ein

Pöbeleien gegen Journalisten gehören zu Pegida-Aufläufen wie zu jenen ihrer Ableger. Doch immer wieder werden Medienvertreter nicht nur verbal attackiert. In Leipzig zog ein Medium jetzt Konsequenzen.

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Legida

Schon vor einem Jahr habe es auf Legida-Aufmärschen unverhohlene Aggressionen gegeben, merkt die LIZ an.

(Bild: l-iz.de)

Nach wiederholten Angriffen auf Journalisten stellt die Leipziger Internetzeitung (LIZ) ihre Live-Berichterstattung über das islam- und fremdenfeindliche Legida vorerst ein. Es werde zunächst keine Videos und aktuelle Textberichterstattung direkt von Legida-Veranstaltungen mehr geben, kündigte die Online-Zeitung an. Zugleich erhob die LIZ Vorwürfe gegen die Polizei: Die Journalisten würden vor Ort "unausgesetzt bedroht und attackiert" und zunehmend im Stich gelassen.

Nach einem Gespräch mit dem Leipziger Polizeipräsidenten Bernd Merbitz habe sich die Bedrohungslage nicht geändert. Einen Schutz für die Kollegen gebe es während der Legida-Aufmärsche nicht. Von der Leipziger Polizeibehörde war am Abend keine Stellungnahme mehr zu den Vorwürfen zu erhalten.

Hinter der Zeitung steht das Unternehmen Mitteldeutsche Online Medien, eine Unternehmergemeinschaft von Journalisten. Ihre Berichterstattung konzentriert sich auf den Großraum Leipzig. Die LIZ entstand 2004 und hat nach eigenen Angaben derzeit rund 150.000 Unique-User.

Über Legida hatte LIZ mit einem Live-Ticker inklusive Videos, Fotos und Kommentaren berichtet. Anlass für den Verzicht auf diese Berichterstattung sei ein Vorfall am 1. Februar gewesen, bei dem ein Legida-Anhänger einen Fotografen der LIZ von einem Podest geschubst habe, erklärte Marketingchef Robert Dobschütz auf Anfrage. Die LIZ wolle nun sehen, ob die Polizei endlich Antworten auf diese Situation finde.

Die Grünen im Landtag sprachen von einem neuen Tiefpunkt der Pressefreiheit: "Die Freiheit der öffentlichen Berichterstattung wird in unerträglicher Weise infrage gestellt", sagte der Abgeordnete Valentin Lippmann. Das demokratische Gemeinwesen stehe auf dem Spiel, wenn Journalisten aus Angst um Leben und Gesundheit nicht mehr von öffentlichen Ereignissen berichten könnten: "Es ist nicht hinnehmbar, dass Journalisten von Legida- oder Pegida-Anhängern mit Gewalt von ihrer Arbeit abgehalten werden und teilweise nicht auf Unterstützung oder Schutz durch die Polizei vertrauen können."

Lippmann forderte Innenminister Markus Ulbig (CDU) auf, sich umgehend mit Medienvertretern und Polizei über Sicherheitskonzepte zu verständigen. Die Polizei müsse jeden Angriff auf Pressevertreter verfolgen und auch dokumentierten. (anw)

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