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Pentagon-Forschungsagentur will Cyborg-Schnittstelle entwickeln

Die Defense Advanced Research Projects Agency (Darpa) arbeitet an einem Hirnimplantat, das eine direkte Schnittstelle zu Computern und digitaler Kommunikation erlauben soll. Angeblich stehen therapeutische Anwendungen im Vordergrund.

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Gehirn Neuronen

Das Pentagon will die "bio-elektronische Spaltung" überwinden. Es hat dazu in seiner Forschungsagentur, der Defense Advanced Research Projects Agency (Darpa), ein Programm für "Neural Engineering System Design " (Nesd) gestartet. In diesem Rahmen soll über die nächsten vier Jahre mit einem Budget von rund 60 Millionen US-Dollar ein Hirnimplantat entwickelt werden, das die elektrochemischen Signale von Neuronen in den Binärcode aus Einsen und Nullen "übersetzt", der die Grundlage der digitalen Informations- und Kommunikationstechnik bildet.

Ziel sei es, über die Schnittstelle "den Kanal zwischen dem menschlichen Gehirn und der modernen Elektronik zu öffnen", erklärte der Nesd-Manager Phillip Alvelda. Bei der Bekanntgabe des Programms im Januar hatte er die besten derzeit verfügbaren Hirn-Computer-Schnittstellen mit Supercomputern verglichen, die versuchten, über ein altes 300-Baud-Modem miteinander zu kommunizieren. Es sei dringend nötig, solche Werkzeuge auf den aktuellen Stand zu bringen.

"CNN" sieht die Darpa damit auf dem besten Weg, Cyborgs oder intelligente Kampfroboter zu schaffen. Das Pentagon wiegelt aber ab: nach seinen Angaben sollen die "nie gekannten Bandbreiten zum Datentransfer" zwischen analogen Menschen und digitalen Maschinen vor allem eine "Basis für neue Therapiemöglichkeiten" bilden. Als potenzielle Anwendungen nennt das Militär Geräte, die Seh- oder Hörbehinderten digitale audiovisuelle Informationen in einer Auflösung und Qualität zuführen könnten, die mit der bestehenden Technik nicht annähernd erreicht würden.

Die Darpa ist sich bewusst, dass für die Umsetzung des Programms noch zahlreiche Forschungsdurchbrüche in zahlreichen Disziplinen wie den Neurowissenschaften, der synthetischen Biologie, Sensorik oder der Photonik erreicht werden müssen. Es sei auch nötig, Systeme und medizinische Geräte mit höheren allgemeinen Ansprüchen entwickeln und klinisch testen zu können.

Die Anforderungen an die geplante Hardware seien insgesamt immens hoch und bedürften neuer Darstellungs- und Kompressionsformen. Die staatliche Forschungsstelle will daher noch zusätzliche Koryphäen und Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft anheuern.

Conor Walsh, Professor für mechanisches und biomedizinisches Ingenieurswesen an der Harvard-Universität, hält das Potenzial des Vorhabens laut "CNN" kaum für überschätzbar. Es sei denkbar, damit die Fähigkeiten von Soldaten deutlich zu steigern oder die Heilung von Schlaganfallpatienten zu beschleunigen.

Steven Pinke, Kognitionsforscher und Psychologe an der Elitehochschule, warnte dagegen vor einer Verschwendung von Steuergeldern. Bei der Idee handle es sich angesichts des äußerst lückenhaften Wissens über die komplexen Strukturen zur Informationsverarbeitung im Gehirn nur um heiße Luft, die keine befriedigenden Ergebnisse zeigen werde. (kbe)

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