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Pentium 4 vor dem Aus?

Massive Kritiken am großen Energieverbrauch der neuen Pentium-4-Generation (Prescott) haben Intel offenbar zu denken gegeben: Die Pentium-4-Linie wird vermutlich nicht weiter fortgesetzt. Nach Berichten im Inquirer und Wall Street Journal will Intel den Prescott-Nachfolger mit Codenamen Tejas nicht mehr weiterentwickeln, sondern auf die erheblich stromsparendere Prozessorfamilie "Pentium-M" umsteigen, die derzeit im Notebook-Segment erfolgreich vermarktet wird. Hier steht die Markteinführung des wie Prescott in 90-nm-Technologie gefertigten Dothan-Prozessors kurz bevor, der mit 2 GHz Takt in den meisten Belangen mit einem Pentium 4 mit 3 und mehr GHz gut mithalten kann -- bei einem Bruchteil seines Stromverbrauchs.

Die Pentium-4-NetBurst-Architektur (neues Cache Design, superlange Pipeline, Hochgeschwindigkeits-Recheneinheit und neuer "quad-pumped" Bus etc.) hatte Intel auf einen sehr hohen Takt ausgelegt, nicht zuletzt deshalb, weil sich hohe Zahlen, als "echte GHz" angepriesen, besser vermarkten lassen. Doch AMD hat das, ebenso wie die hausinterne Pentium-M-Konkurrenz, erfolgreich widerlegen können. Die Kundschaft lässt sich inzwischen allein durch GHz nicht mehr so beeindrucken.

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Denn mit dem hohen Takt ist auch ein hoher Energieverbrauch verbunden -- und das scheint den Kunden heutzutage klar wichtiger zu sein als NetBurst, Hyper-Threading oder Rapid Execution Engine. Und so rudert Intel zurück. Der in Israel entwickelte Pentium-M beruht auf dem traditionellen, aber erheblich weiterentwickelten Pentium-III-Kern. Dieser soll in den nächsten ein bis zwei Jahren all die schönen "T"-Neuerungen der ursprünglich geplanten Pentium-4-Linie eingepflanzt bekommen:

  • Hyper-Threading: Kern schaltet zwischen mehreren Threads um und überlagert so Wartezeiten auf den Hauptspeicher
  • Clackamas-Technologie: AMD64-kompatible 64-Bit-Erweiterung
  • Lagrande-Technologie: Sicherheitserweiterung
  • Vanderpool-Technologie: Simuliert mehrere PCs

Unter dem Codenamen Merom wird schon eifrig dran gearbeitet. Vorher soll noch ein Prozessor mit zwei Dothan-Kernen (Jonas) auf einem Chip kommen.

Intel hat noch keinen Kommentar zu der unterstellten Einstellung der Pentium-4-Linie abgegeben. So ist auch noch unklar, ob nur die Desktop-Version oder auch die Workstation/Server-Linie betroffen ist. Gerüchten zufolge soll sich bereits die Arbeitsgruppe aufgelöst haben, die für die Multiprozessor-Version des Prescott (Codenamen Potomac) verantwortlich zeichnet. Und so sieht es für dessen geplanten Nachfolger Tulsa erst recht schlecht aus. Die Dual-Prozessor-Workstation-Version des Prescott namens Nocona mit der AMD64-Erweiterung soll jedoch noch in diesem Quartal vom Stapel laufen. (as)

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