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Performancesprung bei Supercomputern

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Auf der Supercomputing Conference 2002 in Heidelberg stellte Hans Meuer, Professor an der Universität Mannheim, die aktuelle Top 500 der Supercomputer vor. Gegenüber der Liste vom vergangenen Sommer verdoppelte sich die Gesamtleistung der verzeichneten Rechner von 108,8 TeraFlop/s auf 222 TeraFlop/s. Der Großteil des Vorsprungs entstand erst in den letzten sechs Monaten: Gegenüber der November-Liste stieg die Leistung von 134 TFlop/s um 65 Prozent, die größte Steigerung zwischen zwei Ranglisten in der Geschichte der Top 500.

Ausschlaggebend für den starken Anstieg war die Inbetriebnahme des japanischen Klimarechners Earth Simulator von NEC. Mit knapp 36 TeraFlop/s zeichnet er alleine für 16 Prozent der Leistung der gesamten Top 500 verantwortlich. Mit nur einem Fünftel muss sich selbst der Rechner auf Platz 2 -- der ASCI White war mit 7,2 TeraFlop/s bisheriger Spitzenreiter -- deklassiert geschlagen geben. Erst die Summe der Leistung der zwölf folgenden Rechner ist mit der des Earth Simulator vergleichbar.

Hewlett-Packard verdrängte die langjährige Nummer 1 bei der Anzahl der installierten Systeme, IBM, nicht durch neuen Vertriebserfolg, sondern mit der Übernahme von Compaq und lieferte damit 168 der Rechner auf der Rangliste mit insgesamt 49 TeraFlop/s (22 Prozent der Top 500). Gemessen an der Summe der installierten Rechenleistung liegt aber weiter IBM vorne: Die 164 Rechner von IBM schaffen 74 TeraFlop/s (33 Prozent der Top 500). Mit nur 40 Rechnern liegt SGI etwas abgeschlagen auf Platz 3 nach Rechnerzahl; insgesamt schaffen die SGI-Rechner 13 TeraFlop/s. NEC schiebt sich, bezogen auf die Leistung, mit nur 15 Rechnern, aber 42 TeraFlop/s auf den dritten Platz.

Der schnellste Intel-Rechner bleibt der ASCI Red aus dem Jahr 1999 mit 2,4 TeraFlop/s auf Platz 7. Den schnellsten AMD-Cluster mit 825 GigaFlop/s auf Platz 35 betreibt die Universität Heidelberg. Der Heidelberger Cluster hat allerdings nur 512 Prozessoren, der ASCI Red 9632.

Europa plazierte diesmal 171 Rechner in der Liste, die zusammen 54 TeraFlop/s leisten. Gegenüber dem November-Rankung sind das zwar nur neun Systeme mehr, aber die Rechenkapazität stieg deutlich um 24 TeraFlop/s. Den schnellsten europäischen Rechner betreibt das französische Commissariat a l'Energy Atomique (CEA) mit 3,9 TeraFlop/s (auf Platz 4) und verdrängten damit den Deutschen Wetterdienst von dieser Postion. Deren Rechner schaffte es mit 1,2 TeraFlop/s nur noch auf Platz 17 (im November noch Platz 10). Schnellster in Deutschland ist jetzt die Hitachi SR8000-F1 im Münchner Leibniz Rechenzentrum mit knapp 1,7 TeraFlop/s auf Platz 14. Deutschland installierte einige Rechner und erhöhte gegenüber November die Zahl der Systeme von 59 Rechner mit insgesamt 12 TeraFlop/s auf jetzt 64 Rechner mit insgesamt 20 TFlop/s.

Hans Meuer schuf die Top-500-Liste im Juni 1993 und setzt seit damals allein auf den Benchmark Linpack, der lineare Gleichungen löst. Die 1168 GigaFlop/s Gesamtleistung von anno dazumal schaffen jetzt bereits 21 Rechner -- jeweils als einzelnes System; manche Rechner kommen gleich auf ein mehrfaches der damaligen Gesamtleistung. Inzwischen begründete das Marktforschungsunternehmen IDC eine konkurrierende Supercomputerliste, die neben Linpack noch weitere Messungen einbezieht. (Uwe Harms) / (hes)

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