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Personen-Suchmaschinen beliebt bei Behörden und Unternehmen

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Deutsche Behörden und Unternehmen nutzen offenbar systematisch Personen-Suchmaschinen, um über das Internet Informationen von Bürgern einzuholen. Das geht aus nach IP-Netzwerken aufgeschlüsselten Abrufzahlen der Portale 123people.com und Yasni für das Jahr 2011 hervor, die heise online vorliegen. Ein Yasni-Sprecher erklärte, seit Ende 2010 gebe es eine erhebliche Steigerung der behördlichen Nutzung von Yasni. Im November 2011 erfolgten mehr Zugriffe aus Behörden-Netzen als jemals zuvor seit Bestehen der Personen-Suchmaschine.

Behörden gefällt das: Aggregierte Suchergebnisse zu Personen

Spitzenreiter in diesem Jahr sind bislang die niedersächsischen Landesbehörden, von denen knapp 400.000 Zugriffe auf Yasni erfolgten. An zweiter Stelle liegt ein Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung, gefolgt von der Bundesanstalt für Arbeit – aus diesen Behörden wurden 2011 jeweils mehr als 300.000 Zugriffe verzeichnet. Aus dem Bundesamt für Finanzen kamen knapp 200.000 Zugriffe, das LKA Baden-Würtemberg kam in diesem Jahr bislang auf rund 70.000 Zugriffe. Der Yasni-Sprecher betonte, absolut betrachtet machten die Zugriffe aus Behörden-Netzen nur einen relativ kleinen Teil am Suchvolumen aus. So seien auf Yasni.de im November 2011 etwa 500.000 behördliche Personensuchen registriert worden, weniger als 2 Prozent der gesamten Abfragen in diesem Zeitraum.

Einen ähnlichen Trend gibt es bei der Personen-Suchmaschine 123people.com. Auch diese Seite wird vielfach von Unternehmen und Behörden genutzt – vor allem von solchen, die mit Personen zu tun haben und über einen großen Personalbestand verfügen. So wurden in diesem Jahr die zweitmeisten Zugriffe auf 123people.com aus Deutschland aus dem Firmennetz der Allianz Versicherungs-AG Allianz Deutschland AG verzeichnet (bislang 135.000 Aufrufe im Jahr 2011) – die Versicherung erklärte in einer ersten Reaktion, die Nutzung der Personen-Suchmaschinen im eigenen Hause erst einmal untersuchen zu müssen. [Update 17:30 Uhr: Der Allianz-Sprecher betonte, die 135.000 Aufrufe verteilten sich auf etwa 230.000 Rechner des Unternehmens. Es gebe keine Dienstanweisung, Kunden zu recherchieren – die Allianz sei aber im Interesse ihrer ehrlichen Kunden verpflichtet, möglichem Versicherungsbetrug nachzugehen. Dafür würden auch Personen-Suchmaschinen ein Instrument sein.]

Der österreichischen Nachrichtenseite Futurezone erklärte ein Sprecher des dortigen Innenministeriums, Personen-Suchmaschinen gehörten zum "polizeilichen Alltag" und würden "wie ein Telefonbuch" verwendet. Ein Sprecher der Salzburger Landeskliniken, aus denen 2011 bislang rund 150.000 Namensabfragen auf 123people.com erfolgen, kann sich die Zugriffe hingegen nicht erklären. Man wolle sich das Surfverhalten der 4100 Mitarbeiter nun aber einmal genauer ansehen. (jh)

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