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"Personen, die du kennen könntest": Facebook soll Terroristen vernetzt haben

Über die Funktion, mit der Facebook den Nutzern neue Freunde vorschlägt, sollen sich unzählige Extremisten in aller Welt miteinander vernetzt haben. Das haben Forscher beobachtet und üben noch weitergehende Kritik an dem sozialen Netzwerk.

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Facebook

(Bild: dpa, Oliver Berg)

Facebook soll dabei geholfen haben, dass sich unzählige islamistische Extremisten überhaupt erst gefunden und vernetzt haben. Über den Vorschlag für neue Facebook-Freunde soll das soziale Netzwerk die Extremisten aktiv aufeinander aufmerksam gemacht haben, berichtet der britische Telegraph unter Berufung auf eine noch nicht veröffentlichte Studie des Counter Extremism Projects. Die Forscher haben demnach die Facebook-Aktivitäten von Unterstützern des sogenannten IS in 96 Ländern untersucht und beobachtet, wie diese regelmäßig durch den Abschnitt "Personen, die du kennen könntest" auf Facebook gegenseitig aufeinander aufmerksam gemacht worden seien. Da Facebook die dem zugrunde liegenden Daten nicht effektiv prüfe, könnten die Terroristen die Funktion ausnutzen, um Sympathisanten und Unterstützer zu kontaktieren.

Für die Funktion greift Facebook auf die vielen Daten zurück, die über jeden Nutzer des sozialen Netzwerks vorliegen. Die werden also nicht nur für zielgerichtete Werbung ausgenutzt, sondern auch für die Erstellung einer Liste mit anderen Nutzern, die ähnliche Interessen haben und deshalb als Facebook-Freunde infrage kommen. Beim Versuch, so viele Menschen wie möglich miteinander zu verbinden, hat Facebook damit aber ungewollt ein System geschaffen, dass dabei hilft, Extremisten und Terroristen zu verbinden, meint demnach Robert Postings, einer der an der Studie beteiligten Forscher. Sein Kollege Gregory Waters beschreibt darin, wie er mit Vorschlägen für IS-freundliche Kontakte quasi zugeschüttet wurde, nachdem er einen aktiven Extremisten auf Facebook kontaktiert hatte, erklärt die Zeitung.

Sind die Kontakte erst einmal hergestellt, könnten die Extremisten die Nutzer oft ungestört radikalisieren. Facebook selbst greife höchstens halbherzig durch und die Mehrzahl der Accounts, die extremistische Inhalte verbreiteten, seien auch innerhalb eines halben Jahres nicht gesperrt worden. Selbst wenn ein bestimmter Eintrag von Facebook gelöscht werde, dürfe der dahinter stehende Account oft weiter aktiv bleiben. In anderen Fällen seien gesperrte Accounts wieder geöffnet worden, nachdem sich die betroffenen Nutzer beschwert hätten – selbst wenn vorher abstoßende Propaganda-Videos geteilt worden seien.

Insgesamt jedenfalls habe ihre Untersuchung Facebooks Unfähigkeit offengelegt, effektiv gegen extremistische Inhalte auf der eigenen Plattform vorzugehen, so die Forscher. Facebook sei dadurch zu einem Ort geworden, "an dem weitreichende Netzwerke von IS-Unterstützern existieren, Propaganda verbreitet wird, Menschen radikalisiert werden und neue Unterstützer gefunden werden", fasst Gregory Waters zusammen. (mho)

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