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Pervasive 2002: Big Brother als Butler und persönlicher Sekretär

Rund 100 Wissenschaftler und Entwickler diskutieren seit Montag in Zürich im Rahmen der Pervasive 2002 über Visionen, Konzepte und reale Projekte des pervasive computing. Vor rund zehn Jahren ist zum ersten Mal die Vision vom pervasive computing, seinerzeit noch unter dem Schlagwort ubiquitous computing, als Vorstellung von der allgegenwärtigen Datenverarbeitung formuliert worden. Intelligente Gegenstände und spezialisierte, drahtlos vernetzte kleine Geräte sollten den Computer im Zusammenspiel überflügeln und den User -- ohne dass dieser sich mit lästigem Kleinkram wie Konfiguration, Betriebssystem oder Übertragungsprotokollen auseinander setzen muss -- in alltäglichen Situationen assistieren. Wer morgens verschlafen hat und hastig zur Straßenbahnhaltestelle hechelt, wird sanft von seinem persönlichen Info-Assistenten beruhigt: "Brauchst nicht zu rennen, Boss, die Bahn hat Verspätung".

Die Forschergemeinde muss sich allerdings damit auseinander setzen, dass viele der bunten Visionen noch immer nicht realisiert worden sind und in der Regel eine große Lücke auf dem Weg "vom Labor in die Realität" überwunden werden muss. "Mittlerweile haben wir all die Hardware zur Verfügung, die vor zehn Jahren noch Science-Fiction war, aber die Visionen sind immer noch utopisch", argumentierte beispielsweise Christopher Lueg von der University of Sydney. Der Schlüssel zum Verständnis dieses Rätsels liegt nach seiner Auffassung beim Benutzer selbst. Komplexe Systeme müssen Modelle vom Verhalten des Benutzers aufstellen. Das sei eine sehr komplexe Aufgabe, an der zum Teil auch schon die KI-Forschung gescheitert sei. Ein "vernetzter Kühlschrank" könne beispielsweise nicht wissen, dass die reichlich vorhandenen, teuren Feinkost-Vorräte für eine Party bestimmt sind und deswegen nicht ständig nachbestellt werden müssen, wenn sie zur Neige gehen.

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Auch das Thema Datenschutz stand auf der Tagesordnung, denn der allzeit vernetzte User hinterlässt notgedrungen viel mehr Datenspuren, als er dies beispielsweise jetzt schon beim Surfen im Web tut. Professor Andreas Pfitzmann von der TU-Dresden formulierte die weitestgehenden Forderungen an Datenschutz im Zeitalter des pervasive computing: Er forderte Freiräume für User, die beispielsweise nicht permanent bereit sind, ihre Ortsdaten preis zu geben. Jeder User müsse zumindest darüber informiert werden, dass ein System seine Daten erfasse und verarbeite, sodass er -- falls er das will -- auch offline gehen kann. Die Maschinen, die diese Vernetzung übernähmen, müssten wahrnehmbar und sichtbar bleiben. "Möglicherweise", erklärte Pfitzmann, "müssen wir irgendwann Computer, die bestimmte Kapazitäten über- und bestimmte Maße unterschreiten, schlicht gesetzlich verbieten lassen." (wst/c't) / (Dr. Wolfgang Stieler) / (jk)

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