Pharma-Industrie und Medizin: problematische Verflechtungen

Das renommierte Fachmagazin Nature geißelt in seiner aktuellen Ausgabe die engen und teilweise intransparenten Verbindungen zwischen Pharma-Industrie und medizinischen Fachgesellschaften.

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Von
  • Wolfgang Stieler

Das renommierten Fachmagazin Nature geißelt in seiner aktuellen Ausgabe die Verflechtung von Pharma-Industrie und Medizin. Das Fachblatt hatte mehr als 200 so genannte Leitlinien untersucht, die 2004 im US National Guideline Clearinghouse veröffentlicht wurden. In diesen Leitlinien geben medizinische Fachgesellschaften Empfehlungen für die Therapie einzelner Krankheiten -- so etwa, mit welchen Mitteln Bluthochdruck oder chronische Schmerzen am besten zu behandeln sind. "In diese Datenbank darf jede medizinische Fachgesellschaft ihre Empfehlungen einspeisen, ohne dass Verbindungen zu Pharma-Unternehmen offen gelegt werden müssten", schreibt Nature-Autor Jim Giles.

Aber auch wenn diese Interessen offen gelegt werden, offenbart sich ein großes Ausmaß an Abhängigkeiten: In den Publikationen, die eine Verbindung zu Arzneimittelherstellern darlegten, arbeitete in der Hälfte der Fälle wenigstens einer der Autoren als Berater für ein Pharma-Unternehmen. In einem Drittel der Komitees saß wenigstens ein Mitglied, das im Auftrag des Arzneimittelherstellers Seminare und Vorträge hielt. Und schließlich entschied in einem von zehn Gremien ein Gutachter über die Anwendung eines Medikaments, für dessen Hersteller er Aktien hält. "Die Zahlen in dieser Untersuchung sind alarmierend" meint Drummond Rennie, Mitherausgeber des Journal of the American Medical Association gegenüber Nature: "Diese Praxis stinkt zum Himmel".

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